Hersteller suchen Konzepte, um sich aus der Preisspirale zu befreien
Aldi verkauft jede vierte Flasche Wein in Deutschland

Während sich die deutschen Winzer bei der derzeit auf Hochtouren laufenden Weinlese über die Top-Qualität der Trauben freuen, haben im hiesigen Weinhandel die Discounter ihre führende Position weiter ausgebaut. Inzwischen stammt jede zweite in Deutschland verkaufte Flasche Wein aus den Regalen der Billiganbieter.

ire HB DÜSSELDORF. Nach Angaben der Nürnberger Marktforschungsgesellschaft GfK haben die Discounter im ersten Halbjahr 2005 bei den Marktanteilen im Weingeschäft erstmals die 50-Prozent-Marke überschritten. Allein aus dem Hause Aldi kommt inzwischen jede vierte hierzulande konsumierte Flasche Wein.

Neben Importweinen finden auch zahlreiche heimische Tröpfchen ihren Weg auf die Angebotszettel von Lidl & Co. „Die großen Winzergenossenschaften können sich bei den Mengen, die ihren Absatz finden müssen, den Discountern nicht verschließen“, heißt es selbst bei dem stets auf ein angemessenes Preis-Genuss-Verhältnis bedachten Deutschen Weininstitut. Aber nur im seltensten Fall liefern die Discounter auch einen Wein von empfehlenswerter Qualität, hat die Fachzeitschrift „Alles über Wein“ bereits vor einiger Zeit ermittelt.

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel dreht unterdessen weiter an der Preisschraube. Jüngstes Beispiel ist die erneute Senkung des Endverbraucherpreises für eine Flasche Dornfelder durch die Rewe-Tochter Penny-Markt um weitere zehn Cent auf 1,49 Euro. Es ist noch gar nicht so lange her, da kostete die Flasche des beliebten Rotweins durchschnittlich noch 1,99 Euro. Eine Preisgrenze, die nach GfK-Angaben ohnedies nur ein Drittel aller in Deutschland verkauften Weine überschreitet.

Und doch stemmen sich dem Trend zum billigen Trunk einige Anbieter entgegen, die mit ihrem Markengeschäft bewusst einen Gegenpol zum Preisverfall bei den Discountern bilden wollen.

So hat die Bingener Racke-Gruppe zum 1.Oktober von dem Spirituosenproduzenten Berentzen den Vertrieb der australischen Weinmarke „Yellow Tail“ übernommen. Anders als Berentzen hat sich Racke von seinem Spirituosengeschäft verabschiedet und legt seinen Schwerpunkt nunmehr fast komplett auf den Weinvertrieb. „Als Spirituosenproduzenten verstehen wir die Kultur, die hinter dem Wein steht“, stellt Racke-Chef Marcus Möller-Racke seine Kompetenz auch für das neue Kerngeschäft heraus.

Racke hat neben dem Eigengewächs „Blanchet“ bereits die südafrikanische Weinmarke „Golden Kaan“, von der seit 2003 etwa zwei Millionen Flaschen in Deutschland verkauft wurden, vermarktet. Racke, der das Familienunternehmen in der fünften Generation führt, will von „Yellow Tail“ im kommenden Jahr eine Million Flaschen über den Handel absetzen. Und das ähnlich wie „Golden Kaan“ zu einem Endverbraucherpreis von 4,49 Euro pro Flasche. Racke ist zuversichtlich, diese Preisgestaltung gegen den rückläufigen Markttrend durchzusetzen: Der durchschnittliche Regalpreis für eine Flasche Wein ausländischer Herkunft allerdings sank nach GfK-Angaben im ersten Halbjahr 2005 von 1,90 auf 1,86 Euro.

Denn der Großteil des Weinhandels in Deutschland ist bisher kein margenträchtiges Markengeschäft. Einzelne heimische Produkte wie „Oppenheimer Krötenbrunn“ oder „Kröver Nacktarsch“ bleiben den Konsumenten allenfalls aus humoristischen Gründen in Erinnerung. Versuche der etwa 15 000 deutschen Winzer aus dreizehn Anbaugebieten, ihren Wein mit zusätzlichen Qualitätsversprechen und Attributen wie „Classic“ oder „ Selection“ aufzuwerten, endeten schon bald in einem erneuten „Preisverhau“.

In den USA hingegen erfahren gute Weine auch eine überdurchschnittliche Marketingunterstützung, stellt das Marktforschungsunternehmen IRI fest. Ergebnis: Rund 80 Prozent der meistverkauften Tropfen kosten 5,50 Dollar pro Flasche oder mehr. Zu den 25 erfolgreichsten Marken-Weinen gehört kein einziger in der Preisklasse unter drei Dollar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%