Hinweise auf baldige Einigung verdichten sich
Allianz von Air France und KLM rückt näher

Der Zusammenschluss zwischen der französischen Air France und der niederländischen KLM ist anscheinend kurz vor dem Zieleinlauf. Im Verhandlungspoker um die erwartete Fluglinien-Allianz verdichten sich die Hinweise auf eine baldige Einigung.

HB PARIS. So bat die französische Fluggesellschaft den Betriebsrat zu einem außerordentlichen Treffen am kommenden Montagvormittag, wie ein Beschäftigtenvertreter am Mittwoch berichtete. „Sie bereiten uns eindeutig auf eine Bekanntmachung am Montag vor“, sagte Francois Cabrera, Vorsitzender der Gewerkschaft CFDT.

Auch an der Börse spekulierten die Anleger auf einen baldigen Durchbruch bei den Verhandlungen. Der KLM-Aktienkurs schoss in die Höhe. Am Abend wollte sich die KLM-Konzernführung mit Gewerkschaftsvertretern treffen, um diese über den aktuellen Stand der Gespräche zu unterrichten. Bereits am Dienstagabend hatte Air-France-Verwaltungsratschef Jean-Cyril Spinetta nach Angaben von Firmenvertretern wegen „dringender geschäftlicher Angelegenheiten“ einen Termin abgesagt. Auch dies nährte Spekulationen, dass sich die Gespräche der Endphase nähern.

Alitalia-Chef: Frankreich für komplette Fusion

Die italienische Fluglinie Alitalia drängt zunehmend auf eine Beteiligung an den Allianzgesprächen der beiden anderen Gesellschaften, die in eine Dreierfusion zu einem neuen europäischen Branchenprimus münden könnten. Nach den Worten von Alitalia-Chef Giuseppe Bonomi steht die französische Regierung einem Zusammengehen mit Air France positiv gegenüber. „Die italienische Regierung hat die Idee eines vollständigen Zusammenschlusses zwischen Alitalia und Air France an die französische Regierung herangetragen, und die Idee wurde - so weit ich verstanden habe - akzeptiert“, sagte Bonomi vor Journalisten in New York.

Branchenexperten erwarten, dass sich KLM und Air France schon bald auf eine Überkreuzbeteiligung einigen und die Niederländer dann der Luftfahrtallianz SkyTeam um Air France beitreten. Vergangene Woche hatten beide Gesellschaften von fortgeschrittenen Gesprächen berichtet, zugleich aber davon gesprochen, dass noch wichtige Punkte zu klären seien.

Gewerkschaften befürchten Stellenabbau

KLM-Aktien legten um 7,8 % auf 11,75 € zu. „Es sieht so aus, als stünde eine Einigung kurz bevor nach all den Äußerungen von KLM und Air France in den vergangenen Tagen“, sagte ein niederländischer Händler. „Die Leute wollen den Zusammenschluss wirklich, das sieht man an der Reaktion des Aktienkurses“, fügte er hinzu. Air-France-Papiere gewannen 0,8 % auf 14,45 €. Alitalia zogen um 1,6 % auf 0,2845 € an.

Für die geplante Allianz braucht KLM die Zustimmung der mächtigen Gewerkschaften. Diese befürchten allerdings weitere massive Stellenstreichungen durch eine Kooperation oder gar Fusion. Die Verlust schreibende Fluglinie hatte den Abbau von 4500 ihrer derzeit 31 000 Arbeitsplätze angekündigt. Analysten erwarten eine darüber hinaus gehende Reduzierung der Belegschaft um bis zu 13 %.

Die seit Jahren anhaltende Luftfahrtkrise sowie der verstärkte Wettbewerbsdruck durch Billigflieger zwingen die großen Fluggesellschaften zunehmend zu Kooperationen, um ihre Marktposition zu verbessern und Kosten zu sparen.

Sollte KLM dem Sky-Team-Bündnis beitreten, könnten die Niederländer auch ihre beiden US-Partner Northwest und Continental mit ins Boot nehmen. Dies würde eine verschärfte Konkurrenz für die beiden größeren Luftfahrtallianzen Star Alliance um die Lufthansa sowie oneworld um British Airways bedeuten. Erst am Dienstag hatte die angeschlagene Schweizer Fluglinie Swiss ihren Beitritt zu oneworld angekündigt und damit einem Zusammenschluss mit der Lufthansa eine Absage erteilt.

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