Hohe Touristikeinbußen
Verkauf von Tafelsilber bewahrt Tui vor Verlust

Europas größter Touristikkonzern Tui hat im ersten Halbjahr nur dank beträchtlicher Sondereinnahmen aus dem Verkauf der Energiesparte einen dreistelligen Millionenverlust vermieden.

Reuters HANNOVER. Das Touristikgeschäft als wichtigste Sparte verbuchte hingegen angesichts der Reiseflaute und des daraus resultierenden Preisverfalls ihren bisher größten operativen Halbjahresverlust von 199 Mill. €, wie Tui am Donnerstag in seinem Zwischenbericht mitteilte. Zudem drückten wegen der Konzernverschuldung erneut hohe Zinsbelastungen das Ergebnis. Besonders stark wirkte sich die Reiserezession im Stammmarkt Deutschland aus.

Für die zweite Jahreshälfte hofft Tui zumindest auf bessere Ergebnisse, weil dann die bereits verhängten Sparpläne wirken sollen. Für 2004 rechnet Tui-Chef Michael Frenzel auch wieder mit einer europaweit anziehenden Reisekonjunktur. Analysten hoben in ersten Reaktionen den verhalten optimistischen Ausblick als positiv hervor. Die Tui-Aktie reagierte darauf bis zum Mittag mit einem Kursplus von 4,4 % auf rund 14,60 € und war damit größter Gewinner im Deutschen Aktienindex.

Dank der Erlöse von 769 Mill. € für die Tochter Preussag Energie und weiteren 200 Mill. € aus anderen Energieverkäufen fiel das Konzernergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) in der ersten Jahreshälfte mit 545 Mill. € fast viermal so hoch wie im Vorjahr aus. Ohne Sondereffekte hätte Tui einen Verlust auf Ebta-Basis von 304 Mill. € ausweisen müssen, hieß es im Zwischenbericht. Der Konzernüberschuss stieg dank der Verkäufe auf 410 Mill. € nach einem Verlust von 128 Mill. € vor einem Jahr. Der Umsatz schrumpfte um fünf Prozent auf 8,8 Mrd. €.

Tui zeigte sich mit dem operativen Ergebnis in der Touristik im zweiten Quartal von 51 Mill. € angesichts der schwachen Konjunktur und den Folgen des Irak-Krieges zwar zufrieden. Der Rückgang des Ergebnisses fiel allerdings noch deutlich stärker aus als im Zeitraum Januar bis März. Dabei stieg der Halbjahresumsatz in der Touristik um etwa drei Prozent auf 5,5 Mrd. €, da erstmals die französischen Tochter Nouvelles Frontieres (NF) mit 500 Mill. € einbezogen war.

Große Probleme in Deutschland

Besonders der größte Reisemarkt Deutschland macht Tui weiterhin Probleme. Während konzernweit der Rückstand der gebuchten Reiseumsätze für die Sommersaison zum Vorjahr auf 6,3 % zurückging nach 7,3 Ende Juli, liegt der deutsche Markt nach Tui-Angaben noch mit knapp zehn Prozent im Minus.

Die Umsatzeinbußen in der Touristik konzernweit kalkuliert Tui für das Gesamtjahr mit gut fünf Prozent. Eine konkrete Konzernprognose für das Gesamtjahr 2003 gab Tui noch nicht. Infolge der Sondererträge werde das Vorjahres-Konzernergebnis (Ebta) von 608 Mill. € übertroffen, hieß es erneut.

Für die Touristik sieht Tui die Talsohle als durchschritten an. Für 2004 sei wieder mit Wachstum in der Branche zu rechnen. Bereits im laufenden dritten Quartal 2003 rechnet Finanzvorstand Rainer Feuerhake mit einem operativen Gewinn auf Vorjahreshöhe von rund 520 Mill. €. Im Gesamtjahr werde das Touristikergebnis deutlich niedriger ausfallen als die 330 Mill. € des Vorjahres. In einer Telefonkonferenz mit Analysten kündigte Feuerhake mittelfristig ein Touristikergebnis von 600 Mill. € und mehr an. Dies solle nicht mit Hilfe von Zukäufen geschehen, sondern aus eigener Kraft.

Das Sparziel der Kostensparprogramme, mit denen binnen zwei Jahren 2000 Stellen abgebaut werden sollen, betrage für 2003 weiterhin 260 Mill. €. Dies werde auch erreicht, aber größtenteils erst im zweiten Halbjahr. Für die skandinavischen Veranstalter und deren zu teure Airline Britannia, die mit dem Kauf der britischen Tochter Thomson übernommen wurden, kündigte Feuerhake drastische Einschnitte an.

Die Billigfluglinie Hapag-Lloyd-Express (HLX) soll nach den Plänen des Tui-Vorstandes bereits bis Ende 2004 und damit ein Jahr früher als geplant die Gewinnschwelle erreichen. Dies sei dem Management von HLX vorgegeben worden. Feuerhake begründete die neue Marschroute mit dem schnelleren Ausbau von HLX. Die Verluste im ersten Halbjahr von 35 Mill. € hätten im Bereich der Planungen gelegen. HLX werde unprofitable Strecken schließen, wie zuletzt nach London-Luton und Mailand.

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