Icelandair
Überflieger von der Vulkaninsel

Weder Wirtschaftskrisen noch Vulkane können Icelandair aufhalten: Immer mehr Passagiere verbinden einen Transatlantikflug mit einem Zwischenstopp auf der Insel. Der Chef setzt auf die Erfolgsrezepte der Wikinger.

ReykjavikAus seinem Fenster in dem Bürogebäude am Rande Reykjaviks hat Birkir Hólm Gu∂nason einen guten Überblick. Selbst an einem grau-trüben Tag wie diesem schweift sein Blick in die Ferne. „Dahinten, auf dem Flughafen Keflavik, kommen unsere Passagiere an. Und wir hoffen, dass sie mindestens einen Tag hier in Island bleiben“, sagt der 41-Jährige und zeigt gen Süden. Rund 50 Kilometer entfernt befindet sich die Basis der von ihm geleiteten Fluggesellschaft Icelandair.

So viel wird schnell im Gespräch mit dem Handelsblatt klar: Hólm ist kein Freund von transatlantischen Nonstop-Flügen. „Wir unterscheiden uns von anderen Airlines durch unser Konzept der Transatlantikflüge via Reykjavik“, sagt er. Tatsächlich hat die 1937 gegründete Fluggesellschaft ein anderes Geschäftsmodell entwickelt. „Wir fliegen von verschiedenen europäischen Städten nach Island, dort steigt man um oder besser, man legt einen Stopover ein, und dann geht es weiter nach Nordamerika“.

Die Idee, auf der Inselgruppe im Nordatlantik, im Land der Geysire, Vulkane und Elfen, einen Zwischenstopp einzulegen, fasziniert immer mehr Passagiere, die eigentlich nur von Frankfurt nach New York reisen wollten. Derzeit bietet Icelandair Stopover-Möglichkeiten von 26 Abflughäfen in Europa und 16 in Nordamerika an. Und auch diejenigen, die keinen längeren Zwischenstopp in Island einlegen wollen, müssen nicht eine deutlich längere Reisezeit einplanen. Denn die Abflugzeiten in Europa sind so aufeinander abgestimmt, dass die Maschinen im Minutentakt in Kevlavik landen. Nach kurzem Beinevertreten kann es 40 Minuten später bereits weiter nach Nordamerika gehen.

„Der Tourismus ist in den vergangenen fünf, sechs Jahren kräftig gewachsen, allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Touristen in Island um 20 Prozent“, berichtet Hólm stolz. Und während viele andere Fluggesellschaften derzeit mit der Profitabilität kämpfen, ist seine Airline zum Nutznießer des gestiegenen Interesses an einem Aufenthalt in Island geworden. Denn Icelandair ist eine Tochtergesellschaft der Icelandair Group, und dieses an der Börse in Reykjavik notierte Unternehmen betreibt Hotels, eine Inlandsfluglinie und Reiseveranstalter. „Man darf nicht vergessen, dass all die Fluggesellschaften, die jetzt Island anfliegen, den Markt für uns vergrößert haben“, lacht Hólm.

Die Konkurrenz ist härter geworden, da seit einiger Zeit auch Billigfluggesellschaften wie Norwegian und Easyjet die Nordatlantikinsel anfliegen. Doch Hólm sieht die neue Konkurrenz gelassen. „Sie wecken das Interesse an Island, und das ist auch gut für uns“. Die Icelandair Group ist nach einigen turbulenten Jahren wieder zurück in der Erfolgsspur.

Seit 2010 konnte der Umsatz jährlich um rund 15 Prozent gesteigert werden. Im vergangenen Jahr beförderte das Unternehmen 2,6 Millionen Passagiere und setzte über 1,1 Milliarden Dollar um. Der Vorsteuergewinn betrug knapp 80 Millionen Dollar. Fast 95 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Fluggeschäft, den Rest steuern die eigenen Hotels und Reiseveranstalter bei. Bis heute ist die Fluggesellschaft ein Privatunternehmen. Zu keinem Zeitpunkt hielt der isländische Staat Anteile an der Airline. Die größten Investoren sind isländische Pensionsfonds und Banken.

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„Wir Isländer sind Wikinger“

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