Im Gespräch: Karstadt-Chef Peter Wolf
"Wie Yin und Yang"

Mit einem neuen Auftritt will die Warenhauskette Karstadt bei den Kunden punkten. Im Interview spricht Karstadt-Chef Peter Wolf über schnelle Einsatztruppen, Eigenmarken von Top-Designern und die Probleme von VIP-Kunden mit ihren vollen Schränken.
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Herr Wolf, Ende Februar ist Karstadt mit dem neuen Slogan "Schöner shoppen in der Stadt" angetreten. Fühlen Sie sich als Retter verödeter Innenstädte?

Das wäre wohl etwas zu hoch gegriffen. Aber man spricht in der Stadt über uns. Und das war genau das Ziel, wir wollten Talk of the town werden. Und wir leisten in der Tat einen kleinen Beitrag für die Belebung der Innenstädte. Ein Beispiel: Bei der Planung unserer ersten Kampagne des neuen Auftritts unter dem Motto "Die Stadt wird exotisch" durften wir nur 13 Fassaden von Karstadthäusern komplett mit einem Tigermotiv einhüllen, weil es für so eine Mega-Verhüllung unzählige rechtliche Auflagen und Restriktionen gibt. Es gibt sogar Städte, die so etwas grundsätzlich verbieten, obwohl das unsere eigenen Flächen sind. Vier Wochen später, also jetzt zur zweiten Themenrunde "Die Stadt blüht auf" dürfen wir es schon in 32 Städten machen.

Haben Sie Leute auf den Ämtern bestochen?

Ach was. Es zeigt einfach, welch positive Resonanz die Aktion auch bei den Behörden hat. Das Thema Stadt und die Identifikation mit der Stadt passt wie Yin und Yang zusammen, weil wir ja ausschließlich in besten frequentierten Innenstadtlagen sind und diese erheblich beleben.

Sie wollen mit dem neuen Auftritt in jeder Stadt das erste Haus am Platz werden. Ein weiter Weg.

Nein, wir sind auf einem guten Weg dahin. Und wir überprüfen das ständig. Wir haben ein Filialtrackingsystem aufgebaut, das uns zeigt, wo wir gut sind, wo mittel und wo wir noch Verbesserungsbedarf haben. Die Ergebnisse diskutieren wir dann mit allen Filialgeschäftsführern. Der Erfolg wird übrigens auch incentiviert: Die variable Vergütung des jeweiligen Geschäftsführers richtet sich auch danach, wie sich sein Haus und einzelne Abteilungen im Wettbewerbsumfeld geschlagen haben.

Mal abgesehen von den Werbekampagnen. Was verändert sich in den Filialen?

Im Kerngeschäft haben wir Profilierungsthemen definiert. Das sind die großen Abteilungen wo wir schon stark sind, aber noch besser werden wollen.

Welche sind das?

An erster Stelle steht natürlich Fashion. In den Karstadthäusern hat Bekleidung im Schnitt einen Anteil von rund 38 Prozent. Den werden wir auf 50 Prozent erhöhen. Knapp 30 Prozent der Textilien sind Eigenmarken. Den Anteil werden wir ebenfalls auf 50 Prozent ausbauen. Beides in den kommenden beiden Jahren.

Einerseits mehr Luxus und Top-Marken, andererseits mehr nicht gerade trendige Eigenmarken. Wie passt das zusammen?

Sehr gut. Wir sehen es doch draußen im Markt. H&M macht diesen Spagat. Die bewegen sich mit Madonna und dem Designerlabel Cos nun auch in höherwertigen Sphären. Und vergessen Sie Ihr Bild von der klassischen Eigenmarke bei Karstadt. Unsere neuen Eigenmarkenkollektionen werden exklusiv von bekannten Designern entworfen, deren Namen in Europa eine hohe Reputation genießen - und die mit ihren bisherigen Linien im Premiumsegment lagen.

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