Imageschaden für Nestlé
Maggi-Nudeln liegen Indern schwer im Magen

Die indische Lebensmittelaufsicht hält Instant-Nudeln von Maggi für „ unsicher und gefährlich“. In ganz Indien gilt nun ein Verkaufsverbot für diese Nudeln. Nestlé weist jede Schuld von sich, doch das Image leidet bereits.
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BangkokZwei Minuten dauert es, bis die Maggi-Nudeln von Nestlé in Indien verzehrfertig sind. Weniger als zwei Wochen benötigte es, das Image der Marke Nestlé in Indien ernsthaft zu beschädigen. Und es könnte Jahre vergehen, bis sich die Marke von dem aktuellen Skandal vollständig erholt hat.

Seitdem im Mai bei einer Routinekontrolle in einem kleinen Laden im Bundestaat Uttar Pradesh mit zu viel Blei belastete Maggi-Nudeln entdeckt wurden, ist der Konzern immer stärker in die Defensive geraten. Auch Kontrolleure in weiteren Bundesstaaten fanden zu hohe Bleiwerte – und verbannten die Nudeln vorläufig aus den Regalen. Heute setzte die Lebensmittelaufsichtsbehörde (FSSAI) noch einen drauf. Die Nudeln seien „unsicher und gefährlich“, heißt es in einer Mitteilung. Die Aufseher beschuldigen Nestlé außerdem, den Geschmacksverstärker Natriumglutamat (MSG) nicht als Zutat zu nennen. MSG wurde in mehreren Packungen entdeckt. Dabei wirbt das Unternehmen auf seinen Verpackungen mit „No MSG added“.

In ganz Indien gilt jetzt ein Verkaufsverbot für die Maggi-Nudeln. Zudem darf Nestlé die Nudeln zunächst nicht weiter produzieren. Schon gestern am Donnerstagabend hatten die Schweizer allerdings vorsorglich die Reißleine gezogen und von sich aus alle Instant-Nudeln zurückgerufen.

Die Auffassung der Lebensmittelaufsicht teilt Nestlé nicht. Man habe sich zu dem Rückruf entschlossen, „weil die jüngsten Entwicklungen und unbegründete Bedenken eine Atmosphäre der Verwirrung geschaffen hätten.“ Nestlé verweist auf seine eigenen Tests, die einwandfrei gewesen wären. In einem Report der FSSAI heißt es, nach Auffassung von Nestlé hätten die Aufseher die Proben nicht protokollgemäß getestet. Zudem kritisiere das Unternehmen widersprüchliche Regeln, was die Kennzeichnung von MSG betreffe.

Während das Unternehmen jede Schuld von sich weist, eilte Nestlé-Chef Paul Bulcke extra nach Indien, um die Sorgen zu zerstreuen. „Wir wenden in Indien die gleichen Qualitätstandards und Methoden wie auf der ganzen Welt an“, sagte er. „Unsere Tests haben ergeben, dass Maggi absolut sicher ist.“ Allerdings werde die man die Kennzeichnung „No MSG added“ von den Packungen entfernen.

Bulcke weiß was auf dem Spiel steht: Der Skandal trifft Nestlé zu einer Zeit, in welcher der Konzern ohnehin unter schwachem Wachstum in Indien leidet. Die beliebten Instant-Nudeln, bei denen Nestlé einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent hat, gehörten noch zu den Verkaufsschlagern . Nur bei solchen Fertiggerichten sowie Zutaten wie Saucen griffen die indischen Verbraucher zuletzt noch vermehrt zu. Bis zu 25 Prozent von Nestlés Umsatz in Indien stammen von den Nudeln, das sind umgerechnet rund 213 Millionen Euro.

Das ist zwar nur ein Bruchteil des weltweiten Gesamtumsatzes von rund 90 Milliarden Euro. Doch gilt das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Erde zu einem der Hoffnungsmärkte der Lebensmittelindustrie. Die Berater von Boston Consulting rechnen damit dass sich die Umsätze in dem Markt von umgerechnet rund 320 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf fast 600 Milliarden Euro im 2020 verdoppeln könnten.

Der Snack ist vor allem bei Kindern beliebt - auch deswegen reagieren viele Inder nun besorgt und kritisieren Maggi. Das Vertrauen schwindet: „Auch wenn nur Nudeln betroffen sind, könnte sich das wegen des gemeinsam Brandings auch auf andere Produkte wie Pasta oder Ketchup auswirken“, heißt es in einem Report des Hongkonger Finanzhauses CLSA. Auch die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley raten zur Vorsicht. Allein in den vergangenen zwei Tagen hat die Aktie mehr als zehn Prozent verloren.

Die Maggi-Nudeln sind in Indien seit 1983 auf den Markt. Vor allem in den 80ern galten sie als absolut westliches Lifestyle-Produkt, das dazu auch noch erschwinglich war. Eine Packung kostet gerade einmal 20 Cent. Neben gewissen Modernität standen die Nudeln von Anfang an auch für Sicherheit: Ein Snack, den man ohne Sorgen vor einer Lebensmittelvergiftung schnell verzehren kann – im Gegensatz zu den zahlreichen Straßenständen, deren Zutaten und Hygienestandards oft katastrophal sind.

Frederic Spohr
Frederic Spohr
/ Auslandskorrespondent

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  • Was fuer ein Image? Das Wirkliche, oder das Gewollte? Fuer das Wirkliche kann man nicht kaempfen, man muss es sich erarbeiten, aber eben nicht so, wie das der Nahrungsmittelkonzern, der 60% des Weltmarktes beherrscht und bald 100% des Marktes fuer das einzige Lebensmittel, das durch NICHTS anderes zu ersetzen ist und das uns die Natur gibt, wie die Luft zum Atmen, das WASSER!
    Man bemerke den Unterschied zwischen Nahrungsmittel und Lebensmittel!

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