Insellösungen
RFID-Anwender ziehen selten an einem Strang

Handelsketten wollen ihre Kosten durch den Einsatz von RFID-Chips senken. Doch weil nur wenige Konsumgüterhersteller ihre Produkte mit den Chips ausstatten, müssen die automatischen Lieferketten oft gestoppt werden. Die Technologie verkommt zur Insellösung.
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BERLIN. Helmut-Jörg Scheren hat es ausprobiert. Der Geschäftsführer der Düsseldorfer Scheren Logistik wollte wissen, welche Chancen die RFID-Technik in seinem Betrieb bietet. Das Unternehmen ist ein Mittelständler mit 150 Mitarbeitern, der Logistik-Dienstleistungen bietet – etwa für die Konsumgüterindustrie. Das Fazit: „In zwölf bis 15 Monaten würde sich die Investition amortisieren. Das ist für einen Betrieb unserer Größenordnung sehr schnell“, sagt Scheren. Zwar seien die technischen Anforderungen hoch, aber lösbar. „Es funktioniert reibungslos“, sagt der Geschäftsführer. Am schwierigsten sei die Integration der von den RFID-Lesegeräten gesendeten Daten ins zentrale Lagerverwaltungssystem gewesen. „Auch das ist jetzt gelöst.“

Ein Problem bleibt dennoch: Scheren hat noch keinen Kunden, der mit RFID-Chips versehene Paletten anliefert. Werden diese erst beim Wareneingang von Scheren-Mitarbeitern bestückt, verkümmert der RFID-Einsatz zur Insellösung. „Der Vorteil besteht darin, dass innerhalb der gesamten Lieferkette die Scan-Vorgänge per Hand entfallen“, sagt Scheren. Über vier Stunden Arbeit pro Tag und 40 000 Euro Kosten im Jahr könnten beim Einsatz von RFID allein in seinem Betrieb eingespart werden, der vier Lager mit 100 000 Palettenstellplätzen bewirtschaftet. „Für die gesamte Lieferkette wäre es am besten, wenn die RFID-Tags bei der Produktion der Waren automatisch angebracht werden“, sagt Scheren.

Neben dem Ersatz des Barcode-Scannens könnte auch die bei Scheren ohnehin fortgeschrittene Automatisierung des Warenflusses im Lager optimiert werden. Weitere Effizienzvorteile sind möglich, wenn der Chip mehr Informationen speichert – etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum. Derzeit ist nur der Produktcode vermerkt.

Großes Interesse, die Hersteller aus der Konsumgüterindustrie von den Vorzügen der RFID-Chips zu überzeugen, hat auch das Handelsunternehmen Metro, das die Technik 2007 in den Warenfluss integriert hat. Alles laufe planmäßig, sagt Gerd Wolfram, Leiter CIO-Office der Metro Group. Sein Unternehmen setzt die Funktechnik an rund 400 Standorten in Europa im Lieferbetrieb ein. „Insgesamt werden jährlich rund drei Millionen Paletten mit Hilfe von RFID angeliefert. Die intelligente Infrastruktur erhöht die Transparenz in der Lieferkette“, sagt Wolfram.

Selten allerdings nutzen Hersteller der Konsumgüterindustrie alle Möglichkeiten, die RFID bietet, sagt Christian Meiß, Leiter des Open-ID-Center beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik. Statt die eigene Intralogistik insgesamt zu optimieren, kämen viele Unternehmen nur der Forderung des Handels nach. „Da wird im Grunde nur das Etikett getauscht: von Barcode auf RFID“, sagt Meiß. Ideal wäre es hingegen, die Technik frühzeitig zur Steuerung des Warenflusses zu nutzen. So könnten Gabelstapler und Regale mit RFID-Lesegeräten und Transpondern ausgestattet werden, um Fehleinlagerungen zu vermeiden.

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