Inside: Deutsche Post
Zweierlei Zusteller

Um die unliebsamen neuen Konkurrenten wie Pin Group und TNT auf dem Heimatmarkt auszuschalten, hat die Deutsche Post für Briefträger Mindestlöhne durchgesetzt. Doch jetzt verbündet sich der Konzern mit Branchenfremden, um manche Briefe billiger verteilen zu können.

Es wirkt alles wie von langer Hand geplant. Kurz nachdem der frühere Konzernchef Klaus Zumwinkel gemeinsam mit seinen Freunden in Berlin den Mindestlohn für Briefträger durchgeboxt hat, setzt die Deutsche Post auf „billigere“ Zeitungsausträger, um sie als Druckmittel gegen die eigenen „teuren“ Briefzusteller einzusetzen. Denn Zeitungsboten fallen nicht unter das Mindestlohn-Gesetz und werden schlechter bezahlt als Briefträger. Mit Zeitungsboten lassen sich die Kosten senken. Ein erster Test mit der Essener Mediengruppe WAZ für Werbepost läuft jetzt an. Auch in anderen Verlagen wird bereits sondiert.

Profitabilität verbessern heißt das Ziel des Dax-Konzerns. Der neue Post-Chef Frank Appel – wie Zumwinkel kommt er von der Unternehmensberatung McKinsey – lässt grüßen. Bislang zahlt die Post ihren Briefträgern deutlich mehr als den Mindestlohn. Das könnte sich rasch ändern. Auslagerung von Diensten ist eine der vielen Sparmaßnahmen, die Appel der Post verordnen will. Die Briefträger bekommen es wohl als erste zu spüren. Denn sie verlieren mit der möglichen Auslagerung der Werbepost eine ganze Menge Arbeit. Werbesendungen machen inzwischen einen Großteil der Briefpost aus. Künftig werden dann wohl weniger „teure“ Briefträger gebraucht, sollte sich das neue Modell durchsetzen. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis Zeitungszusteller gelegentlich auch Briefe austragen, wie es das Mindestlohn-Gesetz erlaubt.

Eine Umgehung des Mindestlohns, schimpfen bereits die Gewerkschaften. Quatsch, sagt die Post. An der Briefzustellung werde sich nichts ändern. Doch die Gewerkschaften spüren den Gegenwind. Die Auslagerung der Werbepost müssen sie als Angriff auf ihre Pfründe verstehen. Im Mai beginnen die Tarifverhandlungen mit der Post. Sie dürften nun nicht einfacher werden. Ende März läuft auch der Beschäftigungspakt aus und damit der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Mal schauen, welche Lohn-Kröte die Gewerkschaften dafür schlucken müssen. Denn der Pakt soll verlängert werden. Der Mindestlohn könnte zum Bumerang werden.

Bemerkenswert ist auch die Kehrtwende der WAZ. Denn die Mediengruppe gehört neben Springer und Holtzbrinck zu den Gesellschaftern des Post-Konkurrenten Pin Group. WAZ-Chef Bodo Hombach hatte sich lange für die Sanierung der Pin Group stark gemacht, die durch den Mindestlohn ins Schlingern geraten war. Auch die Umgehung des Mindestlohns wäre einen Versuch zur Rettung der Pin Wert gewesen, die schließlich den Zeitungsverlagen gehört. Nun geht die WAZ ausgerechnet mit dem Erzrivalen Deutsche Post ein Bündnis ein – ein neuer Rückschlag für die Pin.

In Essen wird der Partnertausch kleingeredet: Briefe und Werbepost seien Zweierlei, heißt es. Pin bleibe Briefpartner. Doch längst ist man auf Schmusekurs mit der Post, dem „langjährigen Geschäftspartner“ und „einem der großen Anzeigenkunden“. Im Klartext: Mit der Post lockt ein besseres Geschäft.

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