Inside: Kamps
Augen zu und durch

Kamps ein Börsenkandidat? Die vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Pläne des italienischen Nudelkonzerns Barilla, seine deutsche Backwarentochter spätestens bis zum Jahr 2010 wieder an die Börse zu bringen, stoßen bei Finanzmarktexperten auf Skepsis. Denn eine überzeugende Börsen-Story gibt es nach mehreren verlustreichen Jahren nicht.

DÜSSELDORF. Dass Anleger bereit sein könnten, ähnlich wie die Geschwister Barilla ihr Geld in einem gigantischen Backofen zu verfeuern, erscheint doch reichlich abwegig. Stolze 1,8 Milliarden Euro hatte das italienische Familienunternehmen im Jahr 2002 für die Kamps-Übernahme bezahlt. Und ein Drittel, nämlich 639 Millionen Euro, inzwischen darauf abgeschrieben.

Dass Barilla Kamps stärker an die Kandare nehmen will, ist zwar verständlich, aber andererseits verschärft dieser Schritt die finanzielle Krise bei der Tochter. Schon in drei Jahren muss Kamps eine Hochzinsanleihe über 325 Millionen Euro ablösen. Mit den operativen Ergebnissen der Jahre 2006 bis 2008 allein jedenfalls wird Kamps die Schuld kaum tilgen können, prognostiziert die US-Ratingagentur Fitch, die kürzlich ihre negative Meinung über Europas größten Brot- und Backwarenkonzern bekräftigte.

Kamps macht nicht nur das schwache Konsumklima in Deutschland zu schaffen. Obendrein schaffte es das Unternehmen nicht, Umsatzausfälle von insgesamt 130 Millionen Euro, die Kamps seit der Auslistung beim einstigen Großkunden Rewe im Jahr 2005 Euro verkraften musste, zu kompensieren. Daran hat auch die Verpflichtung des renommierten Lebensmittel-Managers Stefan von Klebelsberg – er kam vom Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut – offenbar nichts geändert. Gestern meldete das Unternehmen einen Fehlbetrag vor Steuern von 119 Millionen Euro für das Jahr 2005. Unter dem Strich hat Kamps der italienischen Mutter Barilla damit in den vergangenen vier Jahren mehr als 350 Millionen Euro Verlust beschert.

Dass die Lage wirklich ernst ist, zeigen auch die häufigen Wechsel in der Führungsriege. Neue Vorstandsmitglieder gaben sich sozusagen die Klinke in die Hand. Wichtige Zeit ging verloren, als Ex-Kamps-Chef Michael Kern die Sanierung nicht beherzt genug anging.

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