Insolvenzverwalter
Lässt Görg Quelle-Mitarbeiter im Stich?

Sanierungsexperten, Gewerkschafter und Spitzenpolitiker werfen dem Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Versäumnisse, Ideenlosigkeit und mangelndes Engagement bei der Gründung einer Transfergesellschaft für die rund 7 000 Quelle-Mitarbeiter vor. Warum Experten an der Ernsthaftigkeit von Görgs Bestrebungen zweifeln.
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DUISBURG. Voraussichtlich schon am heutigen Montag entscheidet sich, ob es für die gut 7 000 beschäftigungslosen Quelle-Mitarbeiter eine Transfergesellschaft geben wird. Das sagte Verdi-Bundessekretär Johann Rösch gestern dem Handelsblatt. Bei dem mit der bayerischen Landesregierung vereinbarten Gesprächstermin wolle man in einem letzten Versuch verhindern, dass allein in der Region Nürnberg/Fürth am ersten November 4 000 Mitarbeiter auf der Straße stehen. „Es gibt positive Signale, dass dies gelingen wird“, sagte Rösch.

Scharfe Kritik erntet unterdessen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Im Zusammenhang mit der bereits gegründeten Weiterqualifizierungsfirma, die vergangenen Montag wieder auf Eis gelegt wurde, werfen ihm Sanierungsexperten, Gewerkschafter und Spitzenpolitiker Orientierungs- und Ideenlosigkeit vor. „Leider wurde dieser Transfergesellschaft durch die Entscheidung des Insolvenzverwalters die Grundlage vollständig entzogen“, sagte Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) dem Handelsblatt. Dies hätten die Mitarbeiter nicht verdient.

Sanierungsexperten, wie der Düsseldorfer Anwalt Thomas W. Meyer, der für die Klöckner-Werke und zahlreiche große Dax-Konzerne in der Vergangenheit geräuschlos Massenentlassungen über Transfergesellschaften abfederte, mahnen den Insolvenzverwalter deshalb zu mehr Engagement. „Görg könnte mit etwas Fantasie und geringen finanziellen Mitteln Tausende von Quelle-Beschäftigte vor dem sozialen Abstieg retten“, moniert er. Stattdessen begnüge er sich mit einer technokratischen Abwicklung.

Die Auffangfirmen, organisiert etwa von der industrienahen Dortmunder Peag oder der gewerkschaftsnahen Reutlinger Mypegasus, qualifizieren ein Jahr lang insolvenzgeschädigte Mitarbeiter professionell für neue Aufgaben. Die anschließende Vermittlungsquote liege bei 50 bis 60 Prozent, berichten Arbeitsmarktexperten. Doch die Zeit drängt. Sollte Görg in den kommenden Tagen vor dem ersten November unwiderrufliche Freistellungen aussprechen, wäre die Transfergesellschaft tot.

Auf Anfrage heißt es dazu im Büro des Insolvenzverwalters kategorisch: „Wir können eine Transfergesellschaft aus der Masse nicht bezahlen.“ Görg habe sämtliche Möglichkeiten in einer gemeinsamen Runde mit den Landesregierungen vergeblich abgeklopft.

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  • Jetzt hat es Herr Görg geschafft.Mit dem Verkauf der Marke "Quelle" an Otto sind die restlichen Arbeitsplätze von der Küchen-Quelle auch noch verloren. bravo Herr Görg. Sie gehen in die Geschichte der Quelle als Totengräber ein.

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