Interview mit Christian Gisy
„Hervorragende Ware“

Die Filmbranche steht vor einem großartigen Jahr 2009. Das glaubt zumindest Christian Gisy, Vorstandschef der Kinokette Cinemaxx. Im Interview spricht er über 3D-Kino, Lieblingsfilme und die Flucht vor dem Alltag.

Handelsblatt: Welche Bedeutung hat die Berlinale für die Kinos?

Christian Gisy: Die Berlinale ist ein glitzerndes Schaufenster. Das Festival richtet den Scheinwerfer auf den Film. Das tut der Branche gut.

Gibt es genügend marktrelevante Filme auf der Berlinale?

Die Marktorientierung der Berlinale ist auch aus unserer Sicht in Ordnung. Von einem Eröffnungsfilm wie "The International" von Tom Tykwer werden auch wir als Kinokette profitieren. Denn dieser Film eines deutschen Regisseurs hat wirtschaftliches Potenzial. Er ist längst hervorragende Ware.

Wie wird das Kinojahr 2009?

Ich erwarte ein gutes Jahr für den Film und die Filmtheater. Die Abfolge von publikumswirksamen Filmen stimmt die gesamte Branche durchaus froh.

Von welchen möglichen Blockbuster sprechen Sie?

Wirtschaftliches Potenzial haben beispielsweise die Dan Brown- Verfilmung "Illuminati" oder "Star Trek", aber auch die deutschen Filme wie "Die wilden Hühner", "Hexe Lilli" oder Mario Barths "Männersache" . Im Juli kommen zudem noch die Erfolgsgaranten "Ice Age III" und der verschobene "Harry Potter". Wir sind für 2009 also in wirklich guter Stimmung.

Die Wirtschaftskrise schlägt immer heftiger zu. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Eine Krise können wir für unser Geschäft nicht ableiten. Wenn ich mir die Besucherzahlen im Dezember und Januar in unseren Kinos ansehe, freue ich mich: Die Krise hat uns nicht nur nicht erreicht. Wir haben in den letzten Wochen erstaunlich gute Zahlen bei den Besuchern - und auch bei den Umsätzen in der Gastronomie erzielt.

Gehen die Leute in Krisenzeiten besonders gern ins Kino?

Die Flucht vor dem Alltag spielt sicher eine zentrale Rolle. Doch noch viel wichtiger sind gute Filme über alle Sparten hinweg.

Welche Rolle spielt dabei der deutsche Film?

Er spielt eine wichtige Rolle. Das Jahr 2008 war besonders aufgrund der Stärke des deutschen Films ein gutes Kinojahr. "Keinohrhasen", "Die Welle" aber auch "Baader-Meinhof" oder "1 1/2 Ritter" kamen toll an. Ebenso lief beispielsweise die komplexe Verfilmung des Thomas Mann-Romans "Buddenbrooks" in unseren Kinos erfreulich gut.

Doch die Umsätze pro Besucher sind im internationalen Vergleich nicht gerade berauschend, oder?

Wir müssen alles daran setzen, die Erlöse pro Kinobesucher zu steigern. Wenn das Wetter stimmt, werden wir als Branche über den Umsätzen vom vergangenen Jahr liegen. Im letzten Jahr haben das schöne Wetter im Mai und die nachfolgende Fußball-Europameisterschaft ein noch besseres Ergebnis fürs Gesamtjahr verhindert.

Welche Rolle spielt künftig das 3D-Kino?

Das Marktpotenzial halte ich für groß. Den Kunden bringt die 3D-Technik einen echten Mehrwert. Die Tiefe des Bildes ist schon beeindruckend. Das ist ein neues Kinoerlebnis. Dafür können wir auch höhere Eintrittspreise nehmen.

Können Sie damit auch ein neues Publikum ins Kino locken?

Davon bin ich überzeugt. Ein solches Kinoerlebnis gibt es eben nicht in den eigenen vier Wänden.

Geht die Marktbereinigung der letzten Jahre weiter?

Die Marktbereinigung hat eigentlich noch gar nicht richtig begonnen. Es werden noch weitere Kinos schließen.

Wie viele Filmtheater hat Cinemaxx im vergangenen Jahr geschlossen?

Wir haben sieben unrentable Standorte geschlossen oder abgegeben. Es ist aber doch erstaunlich, dass es immer noch Betreiber gibt, die es mit diesen Kinos erneut probieren wollen. Vielleicht ist der Leidensdruck in der Branche noch nicht hoch genug.

Wie viele Multiplexe werden Sie 2009 schließen?

Wie prüfen die Schließung von ein oder zwei Standorten in Mittelstädten. Genauere Angaben kann ich nicht machen.

Die Cinemaxx AG schreibt seit 2004 nur Verluste. Wann erreichen Sie die Gewinnzone?

Wir haben die Zahlen für 2008 noch nicht veröffentlicht. Für 2009 erwarten wir allerdings Gewinne.

Was ist Ihr derzeitiger Lieblingsfilm?

"Der seltsame Fall des Benjamin Button" - inhaltlich und schauspielerisch ein toller Film!

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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