Interview
„Ohne die Familie waren wir Freiwild“

Kaum ein Unternehmenschef hat in Deutschland so vehement gegen Hedge Fonds und Finanzinvestoren gekämpft wie Horst Enzelmüller. Doch der damalige Chef von Techem mühte sich vergebens. Inzwischen gehört der Energiedienstleister Macquarie. Im Mai ist Enzelmüller zurückgetreten, obwohl er seine Meinung über den Finanzinvestor längst geändert hat.

Herr Enzelmüller, warum sind Sie Anfang Mai als Chef bei Techem zurückgetreten?

Im Wesentlichen gab es zwei Gründe: Zum einen wurde Techem von der Börse genommen, so dass es einen echten Neubeginn bedeutete, auch für mich. Gleichzeitig gab es auch private Gründe, die ich nicht näher erläutern will. Da habe ich mich entschlossen, eine Pause einzulegen.

Inzwischen stehen Sie der Geschäftsführung als Berater zur Seite. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Macquarie?

Ich sitze im Techem-Board. Das ist ein Gremium nach anglo-amerikanischem Vorbild. Die Zusammenarbeit mit Macquarie läuft hervorragend.

Auf der letzten Hauptversammlung sagten Sie, dass Techem hervorragende Perspektiven für die nächsten ein bis zwei Dekaden" habe. Hat sich daran in der Finanzkrise etwas geändert?

Nein. Techem hat nach wie vor ein überragendes Geschäftsmodell. Das Unternehmen ist unter den Fittichen von Macquarie sehr gut aufgehoben. Die Marktchancen sind sehr gut.

Sie sprechen auffallend positiv über Macquarie. Dabei haben Sie sich am Anfang mit Händen und Füßen gegen die Australier gewehrt. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Am Anfang war ich gegen jeden, der Techem übernehmen wollte. Als Vorstandschef gibt man die Freiheiten, die ein börsennotiertes Unternehmen bietet, nur sehr ungern auf. Daher habe ich um Techems Unabhängigkeit gekämpft. Irgendwann war klar, dass wir den Kampf nicht gewinnen können. Dann habe ich aufgegeben. Es war keine Niederlage für Techem, nur für Horst Enzelmüller.

Und warum sprechen Sie heute so positiv von Macquarie?

Mir ist es wichtig, welchen Horizont ein Finanzinvestor hat. Macquarie ist langfristig orientiert. Sie planen, zehn bis 15 Jahre investiert zu bleiben. Außerdem haben Sie sehr fachkundige Berater engagiert, mit denen man sehr gut zusammenarbeiten kann.

Die wohl spannendste Zeit Ihrer sechsjährigen Amtszeit als Techem-Chef war der Verkaufsprozess Techems 2007. Macquarie und einige Hedge Fonds haben hart um Techem gerungen. Was störte Sie an dem Verhalten der Hedge Fonds?

Es gibt zweifellos anständige Hedge Fonds. Aber wir hatten es damals unter anderem mit zwei, drei sehr dominant auftretenden Hedge Fonds zu tun. Da sah man schnell, dass diese nur kurzfristige Wertsteigerungen im Sinn hatten. Das Problem ist: Wenn die ein Unternehmen nach ein paar Jahren wieder verkaufen, kommt ein neuer Investor, der natürlich auch wieder Einsparungen vornehmen will. Irgendwie muss er ja etwas herausholen - auch zu Lasten der langfristigen Unternehmensentwicklung.

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