Jahresabschluss
Tui fehlt Geld für Stärkung der Reisesparte

Die Touristik verdient immer noch nicht, die Sanierung von Hapag-Lloyd stoppt vorerst die Expansionspläne. Die Zahlen sind schwarz, aber nur dank des Verkaufs der Konzerntochter Hapag-Llyod. Tui blickt auf ein höchst durchwachsenes Jahr 2009 zurück. Die heute vorgestellten Zahlen lagen aber im Rahmen der Erwartungen.
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HANNOVER. Europas Reise-Riese Tui startet nach dem Teilverkauf seiner Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd im Frühjahr nur mit gebremstem Elan in sein erstes Geschäftsjahr als reinrassiger Tourismuskonzern. Bereits seit längerem angedachte Expansionspläne bleiben vorerst auf Eis, weil für sie kein Geld da ist, erklärte Tui-Vorstandschef Michael Frenzel gestern in Hannover anlässlich der Präsentation seiner Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2009. Sämtliche Mittel seien in die Rettung der angeschlagenen Reederei geflossen.

Analysten zeigen sich überrascht

Gleichwohl äußerte sich Frenzel zufrieden über das neun Monate kurze Geschäftsjahr. Tui bilanziert künftig - wie in der Reisebranche üblich - von Oktober bis September, entsprechend dem Verlauf von Winter- und Sommersaison. Zwar sei der Konzernumsatz um rund 14 Prozent gesunken, weil die Kapazitäten im Jahr der Krise zurückgenommen worden waren. Doch das operative Ergebnis (Ebita) der Touristik sei um fünf Prozent auf annähernd 700 Mio. Euro gestiegen. Es zeige sich, dass das Touristikgeschäft "im Kern gesund und zukunftsfähig ist", sagte Frenzel. Analysten zeigten sich positiv überrascht. Die Zahlen seien besser als erwartet, hieß es. Zum Konzernergebnis trug die Touristik allerdings kaum bei. Die rund 400 Mio. Euro stammen fast ausschließlich aus der ersten Rate für den Verkauf der zuvor 100-prozentigen Tochter Hapag-Lloyd.

Rund 2,5 Mrd. Euro pumpte Tui in den letzten Monaten in die zur 43-Prozent-Beteiligung verwandelte Ex-Tochter, um diese vor der Insolvenz zu bewahren. Das ist das Geld, das nun zur Expansion erst einmal fehlt. "Diese Mittel sind unser Potenzial, touristisch weiter zu wachsen", sagte Konzernchef Frenzel. Zwar könne sich der Konzern ab dem nächsten Jahr von seinem Anteil trennen, doch wann er dafür einen akzeptablen Preis erzielen könnte, stehe in den Sternen.

Hapag-Lloyd rutschte tief in die roten Zahlen. In den ersten neun Monaten sei der Umsatz um 29 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro gesunken, berichtete Frenzel. Das bereinigte Ergebnis für diesen Zeitraum fiel um 900 Mio. Euro auf einen Verlust von 674 Mio. Euro. "Die Auswirkungen waren existenzbedrohend", sagte der Konzernchef. Tui und die Ballin-Gesellschafter hatten deshalb massiv Geld ins Unternehmen gepumpt und so die Vorleistung für eine 1,2 Mrd.-Bürgschaft des Bundes und der Stadt Hamburg zur Sicherung der Kreditlinie für Hapag-Lloyd gegeben.

Im Geschäftsfeld der Touristik - bestehend aus der 54-Prozent-Beteiligung Tui Travel sowie den bei der AG in Hannover angesiedelten Sparten Hotels & Resorts und Kreuzfahrten - verdient Tui kaum Geld. In der Touristik belasten Sondereffekte und Vorlaufkosten die Erträge derart stark, dass nur die Hotelsparte ein nennenswertes Ergebnis ablieferte. Sie erreichte bei einem um fünf Prozent auf 276 Mio. Euro geschrumpften Umsatz ein bereinigtes Ergebnis von 123 Mio. Euro, zwar sieben Prozent weniger als im Vorjahres-Zeitraum, aber bei steigenden Erlösen pro Bett.

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