Japaner bereuen um Ranbaxy-Einstieg
Generikageschäft läuft in Japan nur schleppend an

Der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo hat infolge der globalen Wirtschaftskrise Probleme mit einer Teilübernahme des indischen Generikaherstellers Ranbaxy. Das Unternehmen warnte gestern in Tokio vor einem Bewertungsverlust für seinen Anteil von 50,1 Prozent.

TOKIO. Den Preis hatten die beiden Unternehmen im Juni mit 737 Rupien pro Aktie ausgemacht. Obwohl sich der Kurs des Papiers seitdem infolge der Subprime-Krise halbiert hat, ist Daiichi Sankyo zur Zahlung des ursprünglichen Kaufpreises von rund drei Mrd. Euro verpflichtet. "Die Verträge sind unterschrieben und stehen unverrückbar", sagte Takashi Shoda, Chef von Daiichi Sankyo. "Es wird keine Änderung des Übernahmepreises geben." Die Neubilanzierung des Ranbaxy-Anteils könnte den Jahresgewinn stark belasten, teilte das Unternehmen mit.

Daiichi Sankyo trifft mit seinem indischen Engagement derzeit noch auf weitere Schwierigkeiten. Der japanische Pharmahersteller hofft in Japan auf einen schnell wachsenden Markt für Generika, also Medikamente, die mit einem Markenprodukte identisch sind, aber preiswerter angeboten werden. Erst im April fielen in Japan Vorschriften, die einen Handel mit solchen Arzneimitteln praktisch unmöglich machten. Über zahlreichen Apotheken in Tokio hängen nun Werbebanner: "Versuch?s mal mit Generika." Hintergrund sind die steilen Kostensteigerungen im japanischen Gesundheitssystem. Mehr als 30 Pharmahersteller versuchen derzeit in Japan, Generikalinien in den Markt einzuführen.

Doch der Übergang zu Produkten ohne bekannten Markennamen erweist sich in dem konservativen Land als schwierig. Markenanbieter berichten von unverändert guten Verkaufszahlen ihrer teureren Produkte trotz der neuen Konkurrenz. Die Patienten - und anscheinend auch Ärzte - misstrauen den ungewohnten Packungen. Der Pharmahersteller Meiji Seika lässt seine Generikasparte daher Studien über die Wirkung von bereits zugelassenen Arzneimitteln an Menschen anfertigen. Das ist an sich Geldverschwendung, weil diese Test mit den Originalmedikamenten bereits abgeschlossen sind und für einen identischen Wirkstoff in gleicher Dosierung nicht wiederholt werden müssen. Doch Vertrauensbildung ist in Japan besonders wichtig. Dort hält sich beispielsweise unter Ärzten auch der Glaube, dass Arzneimittel auf Asiaten anders wirken als auf andere Ethnien.

Analysten sehen eine weitere Ursache bei der Preispolitik der Generikahersteller. In Rücksichtnahme auf die Markenanbieter - oft in der gleichen Unternehmensgruppe beheimatet - bieten sie die schlichten Packungen nicht nennenswert billiger an als das Original.

Während Daiichi Sankyo sich durch den Ranbaxy-Zukauf die nötige Kompetenz für das neue Marktsegment im Ausland holt, drängen umgekehrt ausländische Anbieter auf den japanischen Markt. Der israelische Marktführer Teva kaufte dafür den kleineren japanischen Medikamentenhersteller Kowa. Die Branche ist jedoch bislang skeptisch: Kowa war bisher eher für Arzneimittel aus dem Drogeriemarkt bekannt und verfügt nicht über das Image eines Anbieters ernsthafter Medikamente.

Im Jahr 2011 laufen für Japans Pharmabranche zahlreiche einbringliche Patente ab. Ersatz ist bisher nicht in Sicht. Die Forschungsabteilungen waren zuletzt eher mit dem Scheitern ihrer Projekte in den Nachrichten. Wenn jedoch zeitgleich mehrere Milliarden Umsatz pro Jahr wegbrechen, brauchen die Unternehmen andere Einnahmequellen. Generika ausländischer Medikamente wären eine Option.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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