Junger Amerikaner flog unentdeckt als Luftfracht
Sicherheitslücken belasten Luftverkehr

Ein bisher einzigartiger Vorfall hat die Diskussionen um die Sicherheit an Flughäfen neu entfacht: Um das Geld für ein Flugticket zu sparen, ließ sich ein 25-jähriger Amerikaner am Samstag in einer Kiste per Luftfracht von New York nach Dallas fliegen.

hvo/wsj WASHINGTON. Über 15 Stunden verharrte der Student in seinem Versteck und wurde erst kurz vor seinem Elternhaus von einem Auslieferungsfahrer entdeckt. US-Behörden klären nun, wie das 150 kg schwere Paket ohne Sicherheitskontrolle an Bord der Frachtmaschine gelangen konnte.

Zwei Jahre nachdem Terroristen Passagierflugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon lenkten, bleiben die lückenhaften Sicherheitsvorkehrungen auf den Flughäfen weiterhin umstritten. Während die Vereinigten Staaten ihre Pass- und Sicherheitsbestimmungen verschärften, sind die weltweiten Standards sehr unterschiedlich. In einigen Fällen wurden erst nach den Anschlägen vom 11. September umfangreiche Passagier- und Gepäckkontrollen eingeführt. „Viele Regierungen haben ihre Versprechen, mehr Geld in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren nicht eingelöst,“ beklagt Ronan Anderson vom „Airports Council International“ in Brüssel.

Beispiel Frankreich: Am Charles de Gaulle Flughafen in Paris, einem der größten Europas, variieren die Kontrollen von Terminal zu Terminal. Viele Reisende berichten, dass sie vor dem Einstieg ins Flugzeug kaum oder gar nicht kontrolliert wurden. Dabei kam es hier bereits im Dezember 2001 zu einem weiteren Zwischenfall: Mit einer Bombe in seinem Schuh versuchte der Brite Richard Reid eine American Airlines Maschine auf dem Weg von Paris nach Miami zu sprengen.

Selbst in Großbritannien, das in Europa bislang die höchsten Sicherheitsstandards pflegt, wurden in der letzten Zeit immer wieder neue Pannen bekannt. Nach dem 11. September 2001 überarbeitete auch die Europäische Union ihre Sicherheitsrichtlinien für Flughäfen. Darin werden insbesondere zusätzliche Kontrollen für Boden- und Flugpersonal vorgeschrieben. Einige Länder, darunter Spanien und Portugal, konnten diese Inspektionen bislang jedoch noch nicht garantieren.

Nach Meinung von Experten sind vor allem inländische Flüge gefährdet, da hier vergleichsweise geringe Kontrollen stattfinden. Anders sieht es bei internationalen Verbindungen aus: Hier richten sich die Flughäfen nach den Vorschriften der Zivilflugorganisation der Vereinten Nationen (ICAO). Alle Flughäfen, die eine direkte Flugroute in die USA anbieten, müssen darüber hinaus zusätzliche Auflagen der amerikanischen Behörden erfüllen. Zu ihnen zählen beispielsweise bombensichere Cockpittüren und verstärkte Gepäckkontrollen.

Das bislang umfangreichste Kontrollsystem entwickelte allerdings die israelische Regierung. So werden die Passagiere der staatlichen Fluggesellschaft „El Al“ nicht nur gründlich durchsucht: Vor dem Abflug müssen sie in einem Interview über den Grund ihrer Reise und ihre finanzielle Lage Auskunft geben. Der Zugang zum Flughafen selbst ist nur mit einem gültigen Ticket möglich, Autos müssen mit einem Mindestabstand zu den Gebäuden geparkt werden. Außerdem halten bewaffnete Einheiten nach potenziellen Selbstmordattentätern Ausschau. Flughafen-Experte Ronan Anderson ist sich daher sicher, dass es lange dauern wird, bis weltweit ähnlich sichere Standards gelten.

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