Kapitalerhöhung geplant
Deutsche Wohnen greift in Berlin zu

Die Deutsche Wohnen will Portfoliokäufe mit einer Kapitalerhöhung finanzieren: Rund 6500 Wohnungen im Wert von 500 Millionen Euro stehen zur Debatte. Trotz zuletzt guter Ergebnisse gab die DW-Aktie daraufhin leicht nach.
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FrankfurtDer Immobilienkonzern Deutsche Wohnen geht nach der gescheiterten Conwert-Übernahme in die Offensive: Das Unternehmen kauft rund 6500 Wohnungen, die sich mehrheitlich in Berlin befinden, und legt dafür 500 Millionen Euro auf den Tisch. Finanziert wird der Deal mit einer Kapitalerhöhung, die beinahe doppelt so hoch ausfällt. Denn Deutsche Wohnen hat weitere Übernahmen im Visier und will außerdem einen Teil seiner Schulden günstig refinanzieren. "Auch in einem wettbewerbsintensiven Umfeld setzen wir unsere Portfoliostrategie gezielt fort", erklärte Vorstandschef Michael Zahn am Mittwoch. Die Einkaufstour der vergangenen Jahre beschert dem Unternehmen steigende Gewinne, auch im ersten Quartal.

Im April hatte Zahn allerdings eine herbe Niederlage einstecken müssen: Die Aktionäre der österreichischen Rivalin Conwert, die in Deutschland stark präsent ist, hatten die Übernahmeofferte von Deutsche Wohnen als zu niedrig abgelehnt. Entstehen sollte ein Konzern mit rund 175.000 Wohnungen - um ein Stück weit zur ungleich größeren Branchenführerin Deutsche Annington aufzuschließen und Platz zwei unter den börsennotierten Wohnungsgesellschaften sicher zu verteidigen. Zahn betonte damals, Conwert sei eine interessante Gelegenheit gewesen, aber nicht zwingend für das weitere Wachstum. Er werde sich andere Dinge anschauen.

Allerdings verknappt sich das Angebot in den Großstädten zusehends, die Preise steigen rasant. Für Profi-Investoren wird es immer schwieriger, interessante Portfolios zu finden. Besonders kreativ wurde vor wenigen Tagen die Immobiliengesellschaft Patrizia, die ihr europäisches Netzwerk nutzte, um sich einen skandinavischen Immobilienfonds mit 14.000 Wohnungen einzuverleiben - fast alle in Deutschland. Deutsche Wohnen hat diese Möglichkeit nicht - der Konzern schlug jetzt bei Neubaublocks im Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf zu. Die Transaktion soll zur Jahresmitte abgeschlossen werden. Der Konzern hofft auf einen operativen Ergebnisbeitrag von gut 20 Millionen Euro pro Jahr.

Bei den Aktionären herrschte wenig Begeisterung: Mit einem Minus von bis zu 6,6 Prozent war die Deutsche-Wohnen-Aktie größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax.MDAXI>. Denn abermals werden die Anleger zur Kasse gebeten: Der Konzern will gut 42 Millionen neue Aktien ausgeben und damit bis zu 950 Millionen Euro einsammeln. Die Aktionäre können für je sieben gehaltene Aktien eine neue erwerben. Die Bezugsfrist läuft voraussichtlich bis zum 3. Juni, der Preis soll am 27. Mai festgelegt werden.

Welche weiteren Portfolios Deutsche Wohnen anschaut, ließ Zahn offen. Konkreter wurde der Konzern bei den Refinanzierungsplänen: Verbindlichkeiten im Volumen von 1,2 Milliarden Euro sollen durch neue Kredite und gegebenenfalls Anleihen abgelöst werden. Besonders teure Bankkredite von 300 Millionen Euro will das Unternehmen zudem in bar zurückführen. Ziel sei es, den Verschuldungsgrad auf unter 45 Prozent zu drücken, zuletzt waren es 50,4 Prozent.

Die Zukäufe der vergangenen Jahre zahlen sich mehr und mehr aus, denn die Mieteinnahmen treiben das Ergebnis. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) um 21 Prozent auf 71,3 Millionen Euro und damit stärker als von Analysten erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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