Karstadt-Quelle
Börsianer fühlen sich verschaukelt

Nachdem Karstadt-Quelle den Verkauf seiner Warenhaus-Immobilien publik gemacht hatte, zog der Aktienkurs um 4 Prozent an. Doch die Freude währte nicht lange und der Kurs brach um bis zu 7 Prozent ein. Die Anleger hatten so einiges an dem Geschäft auszusetzen. Auch die anschließend vorgelegte Bilanz 2005 erhellte die Stimmung nicht gerade.

HB FRANKFURT. Händler sagten, der Immobilienverkauf sei nur auf den ersten Blick als Erfolg zu werten. „Käufer ist ein Konsortium von Goldman Sachs und Karstadt selber. Da wäre es schon ein wenig Augenwischerei, wenn man von einem echten Verkauf sprechen würde“, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer sagte, offenbar habe sich kein außen stehender Käufer für die Warenhäuser gefunden. „Somit steht nur auf dem Papier ein Kaufpreis von 4,5 Milliarden Euro.“

Der teilweise Verkauf an sich selbst könnte aber auch einen anderen Grund als mangelnde Kaufinteressenten haben: Mit dem Manöver nimmt das Unternehmen Übernahmegerüchten den Wind aus den Segeln, die den Kurs in den vergangenen Monaten getrieben hatten. Medien hatten berichtet, Großaktionärin Madeleine Schickedanz bereite ein Kaufangebot für die rund 30 Prozent ausstehenden Aktien des Handelskonzerns vor. Zur Finanzierung hätten demnach die Immobilien verkauft werden sollen. Doch nun liegen sie nicht mehr alleine in der Hand von Karstadt-Quelle.

Karstadt-Quelle hatte vorbörslich vermeldet, sich von nahezu seinem gesamten Immobilienbestand getrennt zu haben. Das Geschäft habe ein Volumen von 4,5 Mrd. Euro. Von dem Geld fließen Karstadt-Quelle jedoch nur 3,7 Mrd. Euro unmittelbar zu. Der Rest sind erwartete Wertsteigerungen. Käufer ist eine gemeinsame Gesellschaft zwischen dem zur US-Investmentbank Goldman Sachs gehörenden Immobilienfonds Whitehall und der Karstadt-Quelle AG selbst. Whitehall ist mit 51 Prozent Mehrheitseigner.

Neben 85 Warenhäusern sind 29 Parkhäuser sowie 12 Sporthäuser, 15 Bürogebäude und 33 weitere Objekte verkauft worden. Die Karstadt Warenhaus GmbH wird als Mieter mit langfristigen Verträgen die Waren- und Sporthäuser zu gleichen Konditionen wie bisher betreiben, das heißt zu Mietzahlungen von 259 Mill. Euro jährlich. In den kommenden Monaten ist zudem der Verkauf weiterer Immobilien wie Bürogebäude oder Grundstücke im Wert von rund 600 Mill. Euro geplant.

Durch die Verkäufe könne eine komplette Entschuldung des Konzerns erzielt werden, frohlockte Karstadt-Quelle. Dies erhöhe die Eigenkapitalquote des Konzerns auf rund 20 Prozent, sagte Konzernchef Thomas Middelhoff. Das Konzernergebnis vor Steuern werde sich als Folge der Immobilien-Verkäufe dauerhaft um über 100 Mill. Euro verbessern. Jedoch teilte der Konzern nicht mit, wie er seinen Anteil am milliardenschweren Gemeinschaftsunternehmen finanziert hat.

Nachdem Karstadt-Quelle im Jahr 2004 mit einem Minus von 1,625 Mrd. Euro tief in die roten Zahlen gerutscht war, wurde für das zurückliegende Jahr 2005 noch ein Fehlbetrag von 316,5 Mill. Euro ausgewiesen. Analysten hatten jedoch mit lediglich 79 Mill. Euro Verlust gerechnet, was den Aktienkurs zusätzlich unter Druck setzte.

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