Karstadt-Quelle
Chronik: „Sanierung im Turbogang“

Im Herbst sah es so aus, als stünde Karstadt-Quelle vor dem Aus. Der Einzelhandelsriese war hoch verschuldet und schrieb tiefrote Zahlen. Inzwischen verkündet Vorstand Thomas Middelhoff selbstbewusst: „Karstadt-Quelle ist ein anderes Unternehmen geworden.“ Wie der Konzern versucht, aus der Misere zu kommen.

mar DÜSSELDORF. „Im Turbogang“ habe Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff bei dem Konzern aufgeräumt, bescheinigte ihm Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung des Konzerns am Montag . Abgeschlossen sein soll die Sanierung spätestens Ende 2008. Dann soll Karstadt-Quelle nach dem Willen von Middelhoff „ein wirtschaftlich gesundes Handels- und Touristikunternehmen sein, mit einer Eigenkapitalquote von über 20 Prozent, mit rund 18 Mrd. Euro Jahresumsatz und einem Ebitda von über 1,1 Mrd. Euro.“

Der Heilungsprozess begann im September 2004, nachdem der Konzern mitgeteilt hatte, dass er am Rande einer Insolvenz stehe:

September 2004: Der angeschlagene Konzern kündigt harte Einschnitte an, darunter den Verkauf von Warenhäusern, die Streichung von 8500 Stellen und die Aufgabe von Randaktivitäten.

Oktober 2004: Mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vereinbart der Konzern den Abbau von 5500 Arbeitsplätzen und die Einsparung von 760 Mill. Euro in den kommenden drei Jahren.

Januar 2005: Karstadt-Quelle beginnt mit dem Verkauf des Tafelsilbers: Zuerst stehen Randaktivitäten, wie die Beteiligung am Spartensender DSF, am Onlineportal Sport 1 und an der Kaffeehaus-Kette Starbucks auf der Verkaufsliste.

März 2005: Der Handelskonzern verschickt Briefe an seine Lieferanten und verlangt von ihnen Sanierungsrabatte.

April 2005: Der damalige Vorstandschef Christoph Achenbach nimmt seinen Hut. Wenige Tage später verkündet der Konzern mit 1,63 Mrd. Euro den größten Verlust der Firmengeschichte.

Mai 2005: Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Middelhoff übernimmt den Posten des Vorstandschefs und kündigt ein 100-Tage-Programm an, um die Sanierung des Handelsriesen zu beschleunigen. Auf der Hauptversammlung kündigt er „weiterhin harte Zeiten“ an.

Juli 2005: Die beiden Versandhäuser Neckermann AG und Quelle AG werden in Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt und der neunköpfige Vorstand der Sparte wird aufgelöst. Die Textilkette Wehmeyer und die Fitnessstudios werden versilbert.

August 2005: Karstadt-Quelle zieht sich aus den kleineren Städten zurück und verkauft 75 kleinere Warenhäuser. Der britische Finanzinvestor Dawney Day übernimmt sie für 500 Mill. Euro. Auch die Modekette Sinn-Leffers und der Sportschuhhändler Runners Point werden von Finanzinvestoren übernommen. Vorstandschef Thomas Middelhoff erklärt die erste Phase des Verkaufsprogramm für abgeschlossen. Der Verkauf von Warenhäusern, Logistikbereichen und Fachhandelsketten, darunter auch Wehmeyer und Golf House spülte 1,1 Milliarden Euro in die Kassen des Konzerns.

September 2005: Drei Logistikzentren in Unna, Essen und Brieselang bei Berlin werden verkauft. Ein Preis wurde nicht genannt, die Hypovereinsbank schätzt den Wert der Immobilien auf 150 Mill. Euro. Unterm Strich will Karstadt durch die Verkäufe 2,4 Mrd. erlösen, um die Finanzverbindlichkeiten von vier Mrd. Euro zu verringern.

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