Karstadt steht vor der Übergabe an Benko
Berggruen sagt leise „Auf Wiedersehen“

Karstadt und Nicolas Berggruen: Diese unglückliche Liaison steht vor dem Aus. Die angeschlagene Warenhauskette steht unmittelbar vor einer Übernahme – durch den umstrittenen Immobilien-Investor René Benko.
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EssenDer Tiroler Immobilienunternehmer René Benko, der erst in dieser Woche von einem Gericht in Wien wegen eines Steuervergehens zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, steht kurz vor der Übernahme des angeschlagenen Karstadt-Konzerns. Benkos Signa-Gruppe befindet sich in der letzten Phase der Verhandlungen mit Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. Das berichtet das österreichische Wirtschaftsmagazin „Format“. Schon in den nächsten Tagen könnte der Deal über die Bühne gehen. Tief in die Taschen greifen müsste Benko für den Warenhauskonzern offenbar nicht.

Es sei „ziemlich sicher“, dass Signa Karstadt übernehmen werde, schreibt das Blatt. Benko selbst sagte dem Magazin, dass „noch keine endgültige Entscheidung gefallen“ sei. Er bestätigte aber, „dass wir zu Hilfe gerufen wurden, um Berggruen als Gesellschafter abzulösen“.

Schon im vergangenen Monat hatten Medien von Verkaufsverhandlungen zwischen Berggruen und Benko berichtet. Laut „Bild“-Zeitung und dem „Manager Magazin“ zufolge könnte Benko gut 70 Prozent von Karstadt für einen symbolischen Euro übernehmen.

Die Gewerkschaft Verdi wollte den Bericht über die bevorstehende Übernahme nicht kommentieren. „Wir erwarten aber, dass, wer auch immer Karstadt besitzen wird, in Karstadt investiert und es ein nachhaltiges Zukunftskonzept geben wird“, sagte eine Verdi-Sprecherin.

Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen. Nach seinem Einstieg zeigte er sich hart in der Gangart: Im Sommer 2012 kündigte Karstadt den Abbau von rund 2000 Stellen an. Im Frühjahr 2013 stieg die Warenhauskette mit ihren rund 20.000 Mitarbeitern aus den regionalen Tarifverträgen für den Einzelhandel aus. Arbeitnehmervertreter kritisierten mehrfach, Berggruen investiere zu wenig in die Modernisierung seines Unternehmens.

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  • Karstadt
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    Selbst ein symbolischer Euro ist für den Verlustbringer Karstadt noch zu viel. Da müssen erst einmal Milliarden für die Sanierung investiert werden. Ob sich das heute noch lohnt ist fraglich. Die große Zeit der Warenhäuser ist vorüber.

  • Schade,
    ich hatte gewettet, dass Herr Benco mit dem ziehen der Option noch mindestens eine Mitarbeiterkürzung wartet. Berggrün verantwortet die Drecksarbeit, Benco kommt als Gutmensch und beide (plus die Hintermänner) lachen sich mit ihren Überkreuzbeteiligungen ins Fäustchen.

    Billiger kommt man nicht an Immobilien in Toplage.

  • Dass nicht alles ab Insolvenzverwaltung koscher gelaufen ist, bestreitet wohl niemand. Aber alle, die heute lamentieren ( Gewerkschaften,Politik etc. ) haben mitgespielt.
    Im Übrigen fing das Karstadtdilemma schon unter Papa Deuss, also vor ca. 20 Jahren an.
    Hier sind soviel Managementfehler gemacht worden, dass man auch mal die Frage nach den Aufsichtsräten stellen sollte.

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