Karstadt und Kaufhof
Kommt die Deutsche Warenhaus AG?

Karstadt-Eigentümer René Benko will Kaufhof kaufen. Damit lässt er eine alte Idee neu aufleben: die Deutsche Warenhaus AG, eine Fusion von Karstadt und Kaufhof. Doch der Handelsriese Hudson‘s Bay könnte dazwischenfunken.
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DüsseldorfDas Warenhaus hat eine lange Tradition in Deutschland. Der Pionier hieß Georg Wertheim. 1876 eröffnete der jüdische Kaufmann sein erstes Warenhaus in Stralsund, weitere folgten. Wertheim wurde zum Synonym für das Erfolgskonzept „Alles unter einem Dach“, dem nach dem Zweiten Weltkrieg das Wirtschaftswunder zu neuem Glanz verhalf.

Doch die Zeiten, in denen Warenhäuser begehrte Konsumtempel waren, sind längst vorbei. Der Niedergang begann bereits in den achtziger Jahren. Gab es 1995 noch rund 590 Warenhäuser hierzulande, war es 2005 mit 270 weniger als die Hälfte. Namen wie Wertheim, Kaufhalle, Horten oder Hertie sind aus den deutschen Innenstädten verschwunden.

Übrig geblieben sind 82 Warenhäuser von Karstadt und 101 Warenhäuser von Kaufhof. Karstadt – das angeschlagene Unternehmen mit Zentrale in Essen wird nach der Übernahme durch den österreichischen Investor René Benko einmal mehr saniert – schließt bis Mitte 2016 noch sechs Standorte. Bei Kaufhof, einer Tochter des Handelskonzerns Metro mit Sitz in Köln, läuft es operativ zwar besser. Aber auch Kaufhof schließt noch drei Filialen bis Ende 2015.

Karstadtfilialen: 82 in 2015 (2016: 76)
Kaufhoffilialen: 101 in 2015 (2016: 98)
Karstadtfilialen Schließungen seit 2010 : 12
Kaufhoffilialen Schließungen seit 2010 : 13
Quelle: Unternehmen, Eigene Recherche

Einen Überblick über die letzten Warenhäuser in Deutschland und wichtige Daten der Städte wie Einwohnerzahl und Durchschnittseinkommen, sehen Sie in der interaktiven Handelsblatt-Karte. Sie zeigt auch, in welchen Städten es Standortüberschneidungen von Karstadt und Kaufhof gibt.

Angesichts der Konsolidierung in der Branche bestimmt die Idee der Deutschen Warenhaus AG – also eines Zusammenschlusses von Karstadt und Kaufhof – schon lange die Köpfe der Handelsmanager. Denn trotz des massiven Protests von Gewerkschaftlern und Betriebsräten, die Häuserschließungen und Arbeitsplatzverlust fürchten, gilt die Fusion als Rettung für die zwei verbliebenen Warenhäuser in Deutschland.

Warenhäuser in Deutschland
Ergebnis in Mio. Euro

2010-2014*


Nun lässt Karstadt-Eigentümer René Benko die Idee neu aufleben. Wie das Handelsblatt exklusiv berichtete, hat Signa Retail – die Tochter von Benkos Signa-Holding bündelt das operative Geschäft aller Karstadt-Häuser – erneut eine Offerte für Konkurrent Kaufhof vorgelegt. Der Kaufpreis soll bei rund 2,9 Milliarden Euro liegen. Der wichtigste Schatz von Kaufhof sind Immobilien. Mutterkonzern Metro besitzt 59 Standorte.

An der Deutschen Warenhaus AG versuchten sich vor dem 38-jährigen Tiroler schon andere – vergeblich. Bislang scheiterten sämtliche Fusionsbemühungen. Mal lag es an unterschiedlichen Vorstellungen über den Kaufpreis und der Frage, welche Standorte erhalten bleiben, mal schlicht am Willen. So wollte 2008 der Chef der Karstadt-Mutter Arcandor, Thomas Middelhoff, Kaufhof übernehmen. 2009 dann bot Metro-Chef Eckhard Cordes seinerseits Middelhoff an, Karstadt zu kaufen – die Mutter Arcandor stand damals schon kurz vor der Insolvenz.

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Benko will Entlassungen vermeiden – vorerst

Kommentare zu " Karstadt und Kaufhof: Kommt die Deutsche Warenhaus AG?"

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  • Benko scheint die Karstadt-Misere auf Kaufhof ausweiten zu wollen: mit Premium allein jedenfalls dürfen sich die hochfliegenden "Träume" einer Fusion so nicht verwirklichen lassen, nochzumal Kaufhof über ein Sortimentskonzept verfügt, das bei Karstadt so noch nicht umgesetzt scheint.
    So gesehen könnte der Eindruck enstehen, Benko wiche mit seiner Offerte den anstehenden Problemen bei Karstadt aus.

  • Kaufhäuser müssen sich neu erfinden. Bei Firmen wie Amazon und Ebay die Jahrelang Steueroptimiert gearbeitet haben kauf ich nur ungern.

  • Kein Mensch braucht im Zeitalter von Internet Kaufhof, geschweige denn Karstadt.
    Diese Warenhäuser konkurrieren eh nur noch um den Titel des schlechtesten Service!
    Die Wichtigtuerinnen von Verkäuferinnen von Zicken und GNTP-Intellekten werden sich allerdings in der Tat Gedanken machen müssen, um die Weitervermittlung in andere Etablissements der Konkurrenz.
    Normalmenschen trifft das aber nicht. Also kein Grund zur Beunruhigung.

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