Kaufhauskrise
Börse begrüßt Fusion von Karstadt-Kaufhof

Die geplante Übernahme der Metro-Tochter Kaufhof durch den Essener Einzelhandels- und Reisekonzern Arcandor, über die das Handelsblatt am Freitag exklusiv berichtete, wird von Analysten begrüßt. So könnte die Übernahme die seit Jahren schwelende Kaufhauskrise beenden – Gewerkschaften und Handelsexperten befürchten indes Standortschließungen.

DÜSSELDORF. „Eine Fusion von Karstadt und Kaufhof wäre für alle Beteiligten die ideale Lösung“, sagte der selbstständige Unternehmensberater Ulrich Eggert. Und Volker Dölle von der gleichnamigen Beratungsfirma erklärte: „Ein guter Schritt, der mehr retten als zerstören könnte.“ Das gute, alte Warenhaus könnte als Einzelhandelsform in Deutschland wenn überhaupt nur mit einem einzigen starken Vertreter überleben.

An der Börse legten beide Aktien zunächst zu. Während die Titel von Arcandor leicht stiegen, machten die von Metro einen Kurssprung von über acht Prozent auf über 63 Euro. Marktbeobachtern zufolge würde eine Fusion von Karstadt und Kaufhof hohe Synergieeffekte möglich machen. „Bei einem Zusammengehen wäre ein dreistelliger Millionenbetrag durch Synergien sehr realistisch“, sagte Hans-Peter Kuhlmann von der Landesbank Baden-Württemberg. Nach Einschätzung der Analysten von Unicredit ergäbe sich für Metro und Arcandor eine „Win-Win-Situation“. Neben erheblichen Kostensynergien hätte das Geschäft eine deutliche Verminderung des Kaufhaus-Wettbewerbs in Deutschland zur Folge, was den Gewinnen beider Konzerne zugute käme.

Die geplante Übernahme würde einen Schlussstrich unter die seit Jahren laufende Konsolidierung der Branche und der Kaufhauskrise setzen. Im Jahr 1994 hatte Karstadt den Frankfurter Wettbewerber Hertie übernommen, Kaufhof verleibte sich ein Jahr später den Düsseldorfer Rivalen Horten ein. Wettbewerber Kaufring ging kurz darauf in Insolvenz, die Billigwarenhäuser der Kaufhalle stellten ihren Betrieb ein, die Woolworth Filialen wursteln vor sich hin. Insgesamt verlor das Warenhausgeschäft, das Mitte der 70er-Jahre noch einen Marktanteil von knapp 14 Prozent hatte, in den vergangenen Jahren an Bedeutung. Nach Umsatzverlusten und Standortschließungen rutschten die verbliebenen Ketten auf unter vier Prozent Marktanteil.

Auch die Profitabilität ist schwach. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Kaufhof gerade einmal 82 Mill. Euro Betriebsgewinn bei einem Umsatz von 3,6 Mrd. Euro. Karstadt machte bei Erlösen von 4,9 Mrd. Euro sogar einen Verlust von zwölf Mill. Euro. Ein Konzept, das im Wettbewerb mit spezialisierten Häusern wie C&A für Mode oder den Vergleich mit höherwertigen Konsumtempeln wie Galerie Lafayette in Frankreich bestehen könnte, entwickelten weder die Essener noch die Kölner. „Die Branche ist in Bewegung. Es gibt viele neue interessante Konzepte. Alles unter einem Dach erwarten die Kunden heute nicht mehr. Ein eigenes Profil ist gefragt,“ sagt Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

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