Kerosinkosten
US-Fluglinien scheitern mit Preiserhöhungen

Nach einem kurzen Höhenflug schaltet die Branche auf den Rezessions-Modus um. Die hohen Kerosinkosten machen ihnen zu schaffen. Delta Air Lines meldet einen Quartalsverlust und lässt Jets am Boden. Nur der Billigflieger Southwest hat Preissicherungsverträge abgeschlossen und ist deshalb jetzt deutlich im Vorteil.

NEW YORK. Die großen Fluggesellschaften in den USA sind offenbar nicht mehr in der Lage, die steigenden Kerosinkosten auf die Passagiere abzuwälzen. Zu Wochenbeginn sei bereits ein zweiter Versuch gescheitert, die Ticketpreise auf breiter Front zu erhöhen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Marktführer American Airlines hatte in der Vorwoche seinen Kerosinzuschlag auf längeren Flügen von 20 Dollar auf 40 Dollar verdoppelt – eine Initiative, der die Konkurrenz unmittelbar folgte. Nach wenigen Tagen haben Northwest und Delta Air Lines, US Airways und American ihre Zuschläge jedoch nun wieder zurückgenommen und auf das vorherige Niveau abgesenkt. „Die Fluglinien haben keine andere Wahl, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen“, sagte Rick Seaney vom Internetportal Farecompare.com.

Damit geraten die führenden Vertreter der US-Flugbranche zusehends in eine Zwickmühle. Auf der einen Seite steigen ihre Kosten für Kerosin weiter, weil sie nur unzureichend gegen den Ölpreis-Schub abgesichert sind. Anders als in den Vorjahren können die Firmen jedoch nicht weiter an den Ticketpreisen drehen, weil sich das wirtschaftliche Umfeld in den USA eintrübt. American klagt, dass der Konzern inzwischen 33 Cent von jedem Umsatzdollar allein für Kerosin aufwenden müsse. Nach sechs positiven Quartalen in Folge hat die größte US-Linie im Schlussquartal 2007 erstmals wieder einen Verlust in Höhe von 69 Mill. Dollar ausweisen müssen. Die drittgrößte Fluglinie Delta Air Lines legte gestern ebenfalls einen Nettoverlust von 70 Mill. Dollar vor und wies darauf hin, dass die Kerosinkosten zwischen Oktober und Dezember um 370 Mill. Dollar gestiegen seien. Wegen des widrigen Umfelds hat das Unternehmen im vierten Quartal bereits 13 Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen. Noch in diesem Monat sollen zehn weitere große Jets sowie 35 Regionalflugzeuge stillgelegt werden, teilte Delta mit. Für das laufende erste Quartal 2008 sei eine negative Umsatzrendite zu erwarten, hieß es.

So wie American und Delta geht es mehr oder minder der ganzen Branche: Die viertgrößte Fluglinie Continental rechnet damit, dass sie für Flugbenzin im laufenden Jahr 2,71 Dollar pro Gallone zahlen muss. Das wären noch einmal acht Prozent mehr als 2007, das bereits einen Kostenschub von 25 Prozent brachte. In einer Studie von Credit Sights heißt es, die US-Fluglinien seien nicht auf einen Ölpreis von 90 Dollar ausgerichtet. Mit Ausnahme des größten Billigfliegers Southwest Airlines hat in der Vergangenheit keine Firma den Versuch unternommen, sich langfristig gegen steigende Kerosinkosten abzusichern. Während Southwest Preissicherungs-Verträge abgeschlossen hat, die bis 2009 einen weit günstigeren Einkauf von Kerosin erlauben (Hedging), sind die sogenannten „big six“ weitgehend machtlos gegen die Turbulenzen am Ölmarkt.

Southwest kann seine Ausnahmestellung deshalb unterstreichen. Der Billigflieger aus Dallas, Texas, legte gestern einen Quartalsgewinn von 111 Mill. Dollar vor, das sind 54 Mill. Dollar mehr als im Vorjahreszeitraum. Der wesentliche Unterschied zur Konkurrenz: Southwest zahlt rund 25 Prozent weniger für Kerosin als etwa Continental. An der sich abschwächenden US-Konjunktur kann aber auch der Billigflieger nichts ändern: Deshalb hat Southwest seine Kapazitätsprognosen für 2008 gekappt und auf ein Plus von vier bis fünf Prozent zurückgeschraubt. Die Signale sind eindeutig: Es wird wieder brenzlig für US-Fluggesellschaften

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Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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