Kettler-Insolvenz endet
Kettcar-Hersteller scheint gerettet

Kinder brauchen auf das kultige Tretauto Kettcar auch künftig nicht zu verzichten. Hersteller Kettler will das Insolvenzverfahren in Eigenregie zum Monatsende erfolgreich abgeschlossen haben. Wie die Rettung gelang.

Ense/DüsseldorfDer Kettcar-Hersteller Kettler ist offenbar gerettet: Der Sport- und Freizeitartikel-Produzent kündigte am Dienstag an, er werde das im Juni 2015 eingeleitete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zum 1. April beenden. Danach soll der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgesetzt werden. Der Insolvenzplan des Unternehmens sei bereits Ende vergangenen Monats einstimmig durch die Gläubigerversammlung angenommen worden.

Unternehmensnahe Kreise gehen davon aus, dass es eine Landesbürgschaft für Kettler vom Land Nordrhein-Westfalen geben wird. Das Finanzministerium NRW wollte sich auf Handelsblatt-Anfrage mit Verweis auf das Bürgschaftsgeheimnis jedoch nicht dazu äußern.

Großgläubiger Carlyle, dessen Forderungen sich auf rund zwölf Millionen Euro belaufen haben sollen, gehörte am Ende nicht zum Kreis der Gläubiger. Der US-Finanzinvestor soll mit Geld aus einer Kettler-Grundstücksgesellschaft komplett abgefunden worden sein, heißt es.

Die Firma Kettler aus dem Sauerland hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland einen steilen Aufstieg erlebt. Zu den größten Erfolgen zählte das vierrädrige Tretauto Kettcar. Firmengründer Heinz Kettler hatte das Unternehmen zu einem führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln gemacht. Mit dem weltweit ersten Aluminium-Bike revolutionierte Kettler Ende der 70er-Jahre die Fahrradwelt. Der Hometrainer „Golf“ war in den 80er-Jahren eines der beliebtesten Fitnessgerät Europas.

Nach dem Tod von Gründer Heinz Kettler führte Tochter Karin das Unternehmen weiter. Der Umsatz von Kettler betrug im Geschäftsjahr 2012/13 laut Bundesanzeiger rund 197 Millionen Euro – im Jahr 2008 waren es allerdings noch etwa 300 Millionen Euro gewesen.

Im vergangenen Jahr geriet die Firma dann wie schon zur Finanzkrise in wirtschaftliche Turbulenzen. Im Zuge des Insolvenzverfahrens verkaufte Kettler seine Fahrradsparte, die im Saarland ansässig war, im November an ZEG. Außerdem wurde die Zahl der Beschäftigten um rund 200 verringert. Das Unternehmen Kettler betonte, die eingeleitete Restrukturierung und Neuausrichtung werde fortgesetzt. Die verbliebenen Geschäftsbereiche Sport, Freizeitmöbel sowie Spiel und Kind werden fortgeführt.

Torsten Kasubke, der für Kettler zuständige IG-Metall-Bevollmächtigte, zeigt sich zufrieden. Dem Handelsblatt sagte er: „Das Sanierungskonzept des Unternehmens sah einen Stellenabbau von 400 Mitarbeitern vor, wir haben den Personalabbau reduzieren können und konnten somit dauerhaft 750 Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen erhalten.“

Karin Kettler wird künftig nicht mehr Geschäftsführerin des Unternehmens sein, berichtet die „Westfälische Rundschau“. Der bisherige Co-Geschäftsführer Ludger Busche sowie Christian Krause werden demnach das Unternehmen in Zukunft führen. Das Altunternehmen solle nach Beendigung der Insolvenz in eine neue Gesellschaft überführt werden. Dabei werde der Vorname des Firmengründers, Heinz, gestrichen. Aus der Heinz Kettler GmbH & Co. KG werde dann die Kettler GmbH, um befreit von Altlasten neu starten zu können.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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