Kinofilm „Voll verzuckert“
Die bittere Seite der Zuckerindustrie

Der Dokumentarfilm „Voll verzuckert“ keilt gegen die Zuckerindustrie und kämpft mit vollem Körpereinsatz seines Machers für gesündere Ernährung. Doch die Erkenntnisse des Streifens, der am Donnerstag anläuft, sind dünn.

HamburgDie Reaktion aus der Industrie kam prompt: Zucker „gehört ganz einfach zu einer ausgewogenen Ernährung dazu“, schreibt eine Initiative der deutschen Zuckerwirtschaft. Einige Menschen bewegten sich vielleicht zu wenig, andere äßen zu viel. Das steht in einem Kommentar der Branche zum Film „Voll verzuckert - That Sugar Film“, der an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft. Dabei ist es genau die Art der Kommunikation, die der australische Filmemacher Damon Gameau der Zuckerbranche vorwirft: Sie lenke ab, verwirre die Faktenlage, verharmlose.

Kern des Films: In einem Selbstversuch nimmt Gameau drei Monate lang täglich 40 Teelöffel Zucker zu sich – versteckt vor allem in fettreduzierten Fertiglebensmitteln wie Joghurt mit Aroma, Frühstücksflocken und Saft-Getränken. Schließlich ersetzt die Industrie unerwünschtes Fett häufig durch Zucker. In einem Frühstück aus Cornflakes, Joghurt und Saft etwa macht Gameau 20 Teelöffel Zucker aus.

Während der Filmemacher an Gewicht zunimmt, geht er zudem Zuckerproblemen auf den Grund: Er besucht ein Aborigines-Dorf mit hohem Zuckerkonsum und vielen Diabetes-Erkrankungen. Das trifft eine Bevölkerungsgruppe, die vor einigen Jahrzehnten gänzlich ohne Zucker auskam. Gameau fliegt in die USA, wo einem Jugendlichen 26 Zähne gezogen werden müssen, weil er seit Jahren literweise Softdrinks trinkt. Und er trifft Experten, die sich gegen Zucker positionieren. Dazu kommen nette Animationen, etwa eine Reise in den menschlichen, zuckergeplagten Körper.

Die Aussage: Zucker macht dick – schlimmer als Fett. Er führt zu ständigen Stimmungsschwankungen, putscht auf – vor allem Kinder. Er macht geradezu süchtig – und benebelt. Und er ist ein Riesengeschäft.

Daher, so die befragten Experten, manipuliere die Industrie die öffentliche Meinung: „Mir wurde klar, dass die Lebensmittelkonzerne in ihrem Profitstreben unbedingt alle Kalorien gleichstellen wollen“, sagt Gameau an einer Stelle. Die Gier liege nicht bei den Konsumenten, sondern bei den Unternehmen. Seit den 1970er-Jahren verhindere die Branche, dass gegen Zucker vorgegangen werde.

Dabei neigt der Film zum Dramatisieren: „Wer das Leben nur so kennt, weiß nicht, was es heißt, wirklich zu leben“, behauptet etwa eine Expertin. Schließlich erscheint sogar der entfesselte Kapitalismus – im Anschluss an den Anthroposophen Rudolf Steiner – als Ausgeburt des Zuckerkonsums. Da geht es dann doch etwas weit.

Insgesamt ähnelt der Film der kanadischen Dokumentation „Die große Zuckerlüge“, die die Kommunikationsstrategie der Branche beleuchtet – und ebenfalls Parallelen zur Tabakbranche sieht. Kein Wunder: Der Film arbeitet teilweise mit denselben Experten. Diese Dokumentation ist derzeit kostenfrei in der Arte-Mediathek abrufbar.

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Foodwatch warnt vor zuckerhaltigen Lebensmitteln

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