Konjunkturindikator
Verkehrsstatistiken signalisieren Wende

Amerika fährt wieder mehr mit dem Auto. Eine Statistik, die bei Wirtschaftsforschern die Hoffnung auf einen Aufschwung nährt. Denn einige US-Ökonomen sehen in der Schätzung gefahrener Meilen den akkuratesten Indikator für die Entwicklung der Konjunkur.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Amtliche Verkehrsstatistiken sind nach Einschätzung von Ökonomen der US-Notenbank Fed nur von begrenztem Nutzen für die Früherkennung konjunktureller Wendepunkte in den USA. Am besten sei noch die von der Straßenbehörde Federal Highway Administration monatlich veröffentlichte Schätzung der Entwicklung der gefahrenen Meilen, argumentieren Paul Bauer und Caroline Herrell, Wirtschaftsforscher der Fed in Cleveland, in einem aktuellen Papier. Sie sei am breitesten und weise die deutlichste Übereinstimmung mit der allgemeinen Entwicklung der Wirtschaft auf.

Die Schätzung, die privat gefahrene Pkw-Meilen ebenso einbezieht wie den kommerziellen Straßenverkehr, hat in früheren Rezessionen eine sinkende, aber nicht immer negative Wachstumsrate aufgewiesen. Auf jeden Fall seien die Zuwachsraten in Rezessionen immer deutlich niedriger gewesen als in den Jahren davor. Die Wachstumsrate der gefahrenen Meilen zeigt derzeit nach einem scharfen Abwärtsknick ab 2007 wieder einen klaren Aufwärtstrend.

Eine etwas verhaltenere Entwicklung hat auch die vom US-Zensusbüro veröffentlichte Statistik der Auslieferungen des verarbeitenden Gewerbes genommen. Der Kurvenverlauf ist derzeit ähnlich wie am Ende der Rezession 2001/02. Bauer und Herrell warnen jedoch, dass sie auf den Daten eines Sektors beruht, der nur noch rund 13 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht.

Noch weniger ergiebig sind nach Einschätzung der Forscher amtliche Verkehrsstatistiken für den kommerziellen Passagier- und Frachtverkehr. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind die Passagierzahlen eingebrochen, während das Frachtaufkommen weitgehend stabil blieb. Auch diese Statistiken zeigen jetzt eine Wende nach oben an.

Auch die internationale Luftfracht ist in der aktuellen Rezession ihrem Ruf als Frühindikator nicht gerecht geworden. Erst parallel mit dem Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft brach das Frachtvolumen so richtig ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten erste Industrieunternehmen bereits von großen Problemen auf der Nachfrageseite berichtet.

Auch die sich jetzt deutlich abzeichnende Konjunkturerholung spiegelt sich in den Verkehrsdaten der Luftlogistik so nicht wider. Die Frachtnachfrage lag im September laut Weltluftfahrtverband IATA noch um 5,4 Prozent unter dem bereits extrem schwachen September des Vorjahres.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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