Konkurrenz schwächelt
US-Börse ICE fährt Rekordgewinn ein

Die US-amerikanische Rohstoffbörse ICE hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr enorm ausgebaut. Für ICE ist es ein Rekordjahr gewesen. Die Geschäfte liefen deutlich besser als bei der Konkurrenz.
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Frankfurt/New YorkDie US-Rohstoffbörse ICE hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren und stellt traditionelle Börsenbetreiber damit in den Schatten. Die erst im Jahr 2000 von Banken und Energiefirmen gegründete Intercontinental Exchange (ICE), an der vor allem Optionen und Futures gehandelt werden, baute ihren Gewinn um acht Prozent auf 552 Millionen Dollar aus, wie das Unternehmen aus Atlanta am Mittwoch mitteilte. Die Einnahmen kletterten um drei Prozent auf 1,36 Milliarden Dollar, womit die ICE das neunte Jahr in Folge einen Bestwert erzielte.

Die Geschäfte der ICE entwickelten sich damit deutlich besser als bei der Konkurrenz. Bei der Deutschen Börse schrumpfte der Überschuss im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 660 Millionen Euro (893 Millionen Dollar), weil sich Investoren wegen der Euro-Schuldenkrise und härterer Auflagen der Aufseher im Handel zurückhielten. Bei der New Yorker Nyse, die noch stärker im schwächelnden Aktien-Handel aktiv ist, fiel der Gewinn sogar um 29 Prozent auf 462 Millionen Dollar.

Die ICE hat im Dezember den Kauf des US-Konkurrenten Nyse für 8,2 Milliarden Dollar angekündigt. Mit der Übernahme, die im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden soll, würde die ICE zum US-Konkurrenten CME aufschließen, der hinter der Hongkonger Börse der zweitgrößte Marktbetreiber der Welt ist. Die ICE hat es bei der Übernahme vor allem auf die Nyse-Derivate-Tochter Liffe in London abgesehen. Die Nyse-Tochter Euronext, die überwiegend im Aktien-Handel aktiv ist, soll nach dem Abschluss der Übernahme abgespalten und an die Börse gebracht werden.

Aus Sicht von Branchenvertretern setzt sich die ICE auch aus taktischen Gründen für die Unabhängigkeit der europäischen Mehrländerbörse Euronext ein. Sie könnte damit die Wettbewerbshüter in Brüssel überzeugen, von denen sie grünes Licht für die Nyse-Übernahme benötigt.

Die EU-Kommission hatte vor einem Jahr die Fusion von Nyse und Deutscher Börse untersagt, weil der fusionierte Konzern aus ihrer Sicht den europäischen Derivate-Markt beherrscht hätte. Da es zwischen ICE und Nyse weniger Überschneidungen gibt, sehen Experten jedoch gute Chancen, dass die EU dieser Übernahme zustimmen könnte. Ausgemachte Sache ist dies aber natürlich noch lange nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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