Konsolidierung auf dem Airline-Markt
Tui spielt Hunolds Vorstoß herunter

Kommt Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bei Condor zum Zug, bleibt im deutschen Flugmarkt nur noch eine weitere Gesellschaft übrig: die Tuifly des Reisekonzerns Tui. Das Unternehmen spielt Hunolds Vorstoß zwar herunter, doch die Konsolidierung auf dem Airline-Markt wird auch für Tuifly Folgen haben

DÜSSELDORF. Tuifly ist Anfang dieses Jahres aus der Verschmelzung der Tui-Töchter Hapagfly und HLX hervorgegangen. Der schlechte Start von Tuifly verhagelte Europas größtem Touristik- und Schifffahrtskonzern Tui bislang die Bilanz. Jetzt droht Tuifly auch noch zwischen den beiden großen Blöcken Deutsche Lufthansa und Air Berlin zerrieben zu werden. Doch in der Tui-Konzernzentrale in Hannover sieht man die Sache nicht so dramatisch.

Der Chef des Kaufhaus- und Touristikkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, habe mit seiner Ankündigung, den 75-Prozent-Anteil an Condor auf Air Berlin übertragen zu wollen, „lediglich Bälle in die Luft geworfen“, sagte ein hochrangiger Tui-Manager. „Mal sehen, wer die auffängt.“ Ein Konzernsprecher lehnte eine Stellungnahme zur jüngsten Marktentwicklung ab.

In Tui-Managerkreisen heißt es, durch die Konzentration des europaweiten Touristikgeschäfts in der seit kurzem in London börsennotierten Tui Travel richte sich das Augenmerk immer stärker auf die konzerninternen Möglichkeiten für das Fluggeschäft. So hat der britische Tui-Ableger mit Thomson fly eine starke Flotte auch für Langstreckenflüge, während Tuifly lediglich Kurz- und Mittelstrecken bedient. Vorstellbar sei, dass sich Tui aus dem reinen Billigfluggeschäft ein Stück zurückzieht und sich – wie im britischen Markt – stärker auf Pauschalreisende konzentriert.

Der Vorstandschef von Tui Travel, Peter Long, hat erst in dieser Woche auf dem Kölner Touristikkongress betont, dass der Konzern Erstkunde beim neuen Boeing-Langstreckenflugzeug „Dreamliner“ (Boeing 787) ist. Die Auslieferung der beiden ersten Maschinen werde im Jahr 2009 erwartet, sagte Long. Im kommenden Jahrzehnt werde es eine Flotte von mehr als 20 Dreamlinern geben, die dann konzernweit Langstrecke flögen, also auch von Deutschland aus. Ähnlich hatte sich zuvor schon Tui-Chef Michael Frenzel geäußert.

Zurzeit schickt Tui Deutschland ihre Fernreise-Kundschaft überwiegend mit der Düsseldorfer Gesellschaft LTU auf den Flug. Tui ist ein Großkunde der LTU, die mittlerweile zu Hunolds Imperium gehört. Ob Hunold auf dieses Geschäft ohne Weiteres verzichten könnte, bleibe abzuwarten, heißt es in Branchenkreisen.

Middelhoffs Ankündigung ziele wahrscheinlich weniger auf Tui, sondern mehr auf die Lufthansa, sagte ein Manager dem Handelsblatt. Lufthansa hält noch 25 Prozent an ihrer einstigen 100-Prozent-Tochter Condor. Ein Übergang der Condor an Air Berlin könne durchaus als „Kriegserklärung“ an die Lufthansa verstanden werden“, heißt es in der Branche. Schließlich wolle Hunold mit der LTU ein internationales Langstreckennetz auf dem Niveau der Liniencarrier mit eigens entwickelter Business-Class aufbauen. Damit würde Air Berlin zum direkten Konkurrenten der Lufthansa. Der Kranichflieger sei aber wirtschaftlich viel stärker und könnte Air Berlin das Leben schwermachen.

Sollte Air Berlin tatsächlich Condor übernehmen, würde Hunolds Airline zu einer „hübschen Braut“ für Private-Equity-Investoren, die für relativ wenig Geld zu haben wäre, sagen Branchenexperten. Auf dem Kölner Touristikkongress hatte Morgan-Stanley-Fachmann Dirk Notheis in dieser Woche erklärt, die Marktkapitalisierung von Air Berlin liege bei lediglich 0,9 Mrd. Euro. Das entspreche gerade einmal einem Zehntel des hinsichtlich Netz und Flugzahl nur unwesentlich größeren irischen Billigfliegers Ryanair.

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