Kontrolliertes Geschenke-Chaos
Ein lila Weihnachtswunder

Weihnachten bedeutet für den US-amerikanischen Logistik-Riesen Fedex Hochsaison. Auf dem weltgrößten Frachtflughafen in Memphis wird der Ausnahmezustand besonders deutlich: Hier sorgen fleissige Arbeiter in Nachtschichten dafür, dass innerhalb von nur drei Stunden knapp zehn Millionen Dokumente und Pakete in Flugzeuge verfrachtet werden.

MEMPHIS. Für ein paar Stunden sieht es so aus, als habe Elvis Presley hier endlich seine Ruhe gefunden. Wie ausgestorben sieht Memphis an diesem Montagabend aus. Keiner will sich dieses Weihnachtskonzert aus bunten Lichtern ansehen, all die hell erleuchteten Nikolausschlitten, Rentiere, Geschenkpakete, all die geschmückten Bäume. Die vierspurige Autobahn zwischen Innenstadt und Flughafen ist wie leer gefegt. Selbst BB King’s Club in der legendären Beale Street, aus der sonst der Puls des amerikanischen Blues zu hören ist, meldet Herzstillstand an diesem Abend. Es ist 21 Uhr im mittleren Süden der USA, Zeit zum Ausgehen. Doch Memphis schläft.

Das Bild ändert sich schlagartig eine Stunde vor Mitternacht. Unweit der Elvis-Pilgerstätte Graceland beginnt der Rummel am Himmel, aus dem es plötzlich Flugzeuge regnet: 21, 22, 23 – es macht keinen Sinn, den anfliegenden Schwarm zu zählen. Alle neunzig Sekunden landet ein neuer Jet, 150 in einer Nacht, allesamt blütenweiß bis zur lila lackierten Heckflosse. Auch am Boden ist Memphis erwacht, fast zeitgleich. Immer mehr Menschen werden an den Eingang des Flughafens gekarrt, zu Hunderten steigen sie aus alten weißen Bussen. Bis 23 Uhr werden es 8 000 Arbeiter sein, die in blauen Arbeitsanzügen die Sicherheitsschleusen passieren.

Für sie beginnt eine ganz besondere Nachtschicht so kurz vor dem Weihnachtsfest, eine Rekordschicht: Innerhalb der nächsten drei Stunden werden sie hier fast zehn Millionen Dokumente und Pakete umschlagen, mehr als irgendwo sonst auf der Welt. „Willkommen zur Hochsaison“, grüßt ein Tour-Guide im weißen Hemd, „willkommen bei Fedex.“

Der Expressdienst, der 1971 mit ein paar Falcon-Flugzeugen und 186 Päckchen begann, ist inzwischen zu einem der erfolgreichsten Logistik-Konzerne weltweit aufgestiegen. Mit 677 Frachtflugzeugen betreibt Fedex eine deutlich größere Flotte als die Lufthansa, fliegt damit in fast jedes Land der Erde und wächst so in eine zentrale Versorgungsrolle für die globalisierte Wirtschaft. 275 000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, darunter allein 7 000 IT-Spezialisten, ein gutes Dutzend eigene Meteorologen und einen Chefökonomen, der ernsthaft glaubt, „den besten Job der Welt“ zu haben. Gene Huang kommt aus China, er hat in den USA studiert, dann in Japan gearbeitet, später bei General Motors in Detroit. Jetzt sitzt er lächelnd in seinem Fedex-Büro, wärmt die Hände an einer Tasse Grüntee und sagt: „Es gibt auf der ganzen Welt keine globalere Firma als Fedex. Ich überblicke hier 220 Länder und verfolge über unsere Kunden die Entwicklung in nahezu allen Industrien.“

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