Korruptionsbekämpfung in deutschen Konzernen
Bahn startet weltweite Anti-Korruptions-Hotline

Die Deutsche Bahn hat ihre Anti-Korruptionsmaßnahmen durch ein weltweites elektronisches Hinweissystem ergänzt. Bahnchef Hartmut Mehdorn gab dafür am Montag in Berlin den Startschuss. Schon lange sieht Mehdorn seinen Konzern in einer Vorreiterrolle bei der Korruptionsbekämpfung in deutschen Konzernen.

BERLIN. „Unser Motto ist Null-Toleranz bei Korruption“, begründete der Bahn-Chef den Ausbau. „Wir sind auf der Jagd mit scharfer Munition.“ Wen man erwische, der werde „gnadenlos versenkt“. Das alte Ombudsleutesystem habe zwar gute Ergebnisse gebracht. Es genüge aber nicht mehr den Anforderungen eines inzwischen mit Standorten in über 152 Ländern weltweit aufgestellten Konzerns.

Mehdorn sieht seinen Konzern schon lange in einer Vorreiterrolle bei der Korruptionsbekämpfung in deutschen Konzernen. Bereits seit 2000 verfügt die Bahn über ein System von Ombudsleuten, die Whistleblowern im eigenen Unternehmen oder bei Zulieferern und Auftragnehmern eine vertrauliche Anlaufstelle bieten.

Für die Restrukturierung der bislang in verschiedenen Abteilungen angesiedelten Korruptionsbekämpfung holte Mehdorn bereits im September vergangenen Jahres den ehemaligen Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner (59) an Bord. Er hatte Anfang der 90er-Jahre die bundesweit erste Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung organisierter Formen der Korruption bei der Staatsantwaltschaft Frankfurt am Main aufgebaut. Als Chief Compliance Officer ist er mit seinem 28-köpfigen Team direkt dem Vorstand unterstellt. Bei ihm laufen alle Drähte zusammen.

Das bedeutet auch, dass Verdachtsmeldungen, die über das Internet eingehen, in seiner Abteilung auf Plausibilität gesichtet werden, bevor weitere Schritte bis hin zu Einschaltung der Staatsanwaltschaft eingeleitet werden. „Was wir auf keinen Fall wollen“, sagte Mehdorn, „ist eine In-House-Stasi.“ Für Denunziantentum sei im Compliance-System der Bahn kein Platz.

In den vergangenen acht Jahren führten 543 intern eingeleitete Verfahren 148-mal zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Allein zwischen 2006 und 2007 ging der Konzern 113 Hinweisen nach. Von den 101 abgeschlossenen Verfahren führten 30 zu arbeits- und disziplinarrechtlichen Maßnahmen und 18 zu Vergabesperren. 24 Verfahren landeten bei der Staatsanwaltschaft.

„Das sind hohe Zahlen“, sagte Schaupensteiner. Der Schaden gehe in die Millionen. „Aber wir holen uns unser Geld zurück.“ So auch bei einem besonders dreisten Fall eines führenden Bahnmitarbeiters, der beim Ausbau der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Köln und Aachen nie ausgeführte Scheinaufträge in Höhe von 4,2 Millionen Euro vergeben hatte und sich 1,2 Millionen Euro davon in die eigene Tasche steckte.

Nachbarn war der luxuriöse Lebensstil des Mitarbeiters aufgefallen, der sich unter anderem im Bau einer Luxusvilla dokumentierte. Sie fragten bei der Deutschen Bahn nach. Zudem fielen im Konzern die ungewöhnlich hohen Handyrechnungen von über 1 000 Euro im Monat auf. Haus und Luxuseinrichtung musste der Bahnmitarbeiter inzwischen abgeben. Die brauche er nun auch nicht mehr, weil er eine siebenjährige Haftstrafe absitzen müsse, sagte Schaupensteiner.

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