Langstreckengeschäft
Wöhrl wirft ein Auge auf LTU

Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat Interesse an dem von Air Berlin zur Disposition gestellten Langstreckengeschäft der Tochter LTU. "Wenn uns das zu akzeptablen Bedingungen angeboten werden würde, wahrscheinlich ja, denn der Erwerb von Airlines ist ja Teil unseres Geschäftes, und da waren wir immer sehr erfolgreich", sagte Wöhrl dem Handelsblatt.

FRANKFURT. Wöhrl bestätigte Kontakt mit dem Air-Berlin-Management, es gebe aber keine konkreten Verhandlungen. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte das Interesse von Wöhrl nicht kommentieren. Er verwies auf frühere Äußerungen des Managements, man sei nach der Ankündigung eines möglichen Verkaufs der LTU-Langstrecke von mehreren Interessenten angesprochen worden. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold prüft derzeit alle Optionen des Langstreckengeschäfts der LTU. Als einen Grund für eine mögliche Trennung nannte er überzogene Forderungen der Piloten. Derzeit läuft eine Urabstimmung der Piloten-Gewerkschaft VC Cockpit.

Der genaue Umfang eines Verkaufs ist nicht bekannt. Aus LTU-Kreisen ist zu hören, dass es um mindestens zehn und bis zu 20 Maschinen gehe sowie die dazugehörigen Crews. Wöhrl stellte klar, dass es ihm zunächst lediglich um die Langstrecke gehe. Einen Verkauf der gesamten LTU von Seiten Air Berlins hält er für relativ unwahrscheinlich. "Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass man bei Air Berlin Teile des eigenen Kerngeschäfts verkaufen würde, aber wie bereits erwähnt: wir sind immer bereit, über alles zu reden", sagte Wöhrl.

Sollte es zu konkreten Verhandlungen sowie zu einem Abschluss mit Air Berlin kommen, will Wöhrl dritte Investoren ins Boot holen. "Für ein solch schwieriges Unterfangen wäre es bestimmt nicht leicht, neue Partner zu gewinnen, aber wir würden unsere alten Weggefährten fragen, ob sie Interesse hätten", sagte Wöhrl.

Der Unternehmer kennt LTU bestens. 2006 hatte seine Beteiligungs-Firma Intro Aviation 100 Prozent an der LTU erworben. Nur ein Jahr später verkaufte er LTU mit Gewinn an Air Berlin. Zuvor hatte er gleiches mit der DBA gemacht, die ebenfalls an Air Berlin ging. Die 1974 von ihm gegründete NFD Airline ging 1992 in der heutigen Lufthansa-Tochter Eurowings auf.

Käme Wöhrl jetzt bei LTU erneut zum Zuge, würde sich der umtriebige Unternehmer und leidenschaftliche Pilot erstmals seit fast zwei Jahren wieder an einer nennenswerten Airline engagieren. Wöhrl machte deutlich, dass LTU für ihn die Plattform für eine deutlich größere Gesellschaft sein könne.

"Das wäre dann kein kurzfristiges Engagement für uns, sondern eine Airline, die wir wohl dauerhaft als Hauptgesellschafter behalten würden2, sagte Wöhrl und fügte hinzu: "Eine LTU-Langstreckenoperation könnte nach unserer Auffassung nämlich nur der Grundstock für eine große, europäische Langstreckenflotte im touristischen Bereich sein, die alle Destinationen abdeckt, die für die großen Carrier nicht von Interesse sind."

Denkbar ist für Wöhrl dabei offenbar, sich über LTU hinaus auch an der Tui-Tochter Tuifly zu beteiligen. Bereits im Januar hatte er Tui-Chef Michael Frenzel sein Interesse an einem Engagement bei Tuifly signalisiert, war damit aber nicht gerade auf Begeisterung gestoßen. Mittlerweile hat Frenzel eine Überkreuzbeteiligung sowie Partnerschaft mit Air Berlin vereinbart.

Dennoch sieht Wöhrl seine Idee damit nicht vor dem Aus. "Auch wenn Tuifly diese gegenseitige Beteiligung mit Air Berlin hat - sie soll ja eine eigenständige Gesellschaft bleiben, und in dieser wäre durchaus für uns noch Platz", sagt er. Er stehe jederzeit für Gespräche mit Tui zur Verfügung.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%