Leasing
Geschäftswagen über die Autobank

Die Geldinstitute der Autohersteller nehmen Firmenkunden verstärkt ins Visier. Doch die Konkurrenz schläft nicht - zur Freude mittelständischer Fuhrparkbetreiber.
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DüsseldorfAuf der Brücke lag Eis, der Ford Transit brach aus. Für Hans Hebelreither, Inhaber einer Schreinerei in Freiburg, gab es keine Chance, den Aufprall gegen den Baum zu verhindern: Totalschaden. Doch etwas Glück im Unglück hatte der Schreinermeister schon.

Normalerweise kommen auf Leasingnehmer im Falle einer vorzeitigen Vertragsbeendigung aufgrund eines Totalschadens oder eines Diebstahls hohe Kosten zu - nämlich die Differenz zwischen Leasingrestforderung und Entschädigungsleistung des Kfz-Versicherers. Dieser Passus gilt bei der Ford Bank nicht. Sie übernahm nach Hebelreithers Unfall die Differenz, ganz ohne Zuzahlung des Leasingnehmers.

Kein Einzelfall, verspricht Peter Zieringer, Vorstandsvorsitzender beim Arbeitskreis der Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft (AKA) und bei der Mercedes-Benz Bank: "Markengebundene Finanzdienstleister bieten oftmals mehr Leistungen als andere Dienstleister". Mitglieder des Arbeitskreises sind unter anderem die Banken der Hersteller BMW, Fiat, Ford, Honda, Daimler, Mitsubishi, Peugeot-Citroën, Toyota, Volvo und VW.

Die Wettbewerber sind Sparkassen, Volksbanken, Kreditfinanzierer und markenunabhängige Autobanken. Deren Aktivitäten haben deutlich zugenommen, besonders auf dem Gewerbemarkt. "Ursachen sind der anhaltende Aufschwung sowie die Auflösung des während der Krise entstandenen Nachfragestaus", erklärt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Autoindustrie.

So legte der Firmenwagenmarkt im vergangenen Jahr um 14,2 Prozent zu. Eine ähnliche Wachstumsrate erwartet der Berliner Autoverband für dieses Jahr. Für den Verbandschef ist es nur logisch, dass von diesem Kuchen mehr Anbieter ein möglichst großes Stück abhaben wollen. Insgesamt gilt: Fast 80 Prozent der Neuwagen in Deutschland werden über Leasing oder Finanzierungsmodelle auf die Straße gebracht. Bei Gebrauchtwagen sind es zirka 30 Prozent. "Fast jedes zweite finanzierte oder geleaste Neufahrzeug läuft über die Mitgliedsinstitute des Arbeitskreises", betont der AKA-Chef. Fast zu 100 Prozent ist Leasing die Finanzform bei Firmenkunden.

Die Hersteller und deren Banken unternehmen zur Zeit viel, um ihre Anteile im Gewerbemarkt auszubauen, trotz schärferer Konkurrenz. Zur Offensive zählen kostengünstigere und umfassendere Leasingprogramme, auf Firmenkunden abgestellte Ausstattungspakete und Sondermodelle sowie durch professionellere Beratung und Betreuung.

Die kostenfreien oder zumindest kostengünstigeren Mehrleistungen der herstellerabhängigen Finanzinstitute hängen laut Zieringer mit deren Kernaufgabe zusammen: "Das Fahrzeuggeschäft der eigenen Marke ist zu unterstützen." Auf Firmenkunden bezogen heißt das in erster Linie: Fahrzeuge, die kundenspezifische Anforderungen erfüllen, werden mittels Leasing, das auch alle Servicekosten abdeckt, zur Verfügung gestellt.

Je nach Kundenwunsch kommen weitere Leistungen wie Versicherung und Fuhrparkmanagement dazu. Über Kaufimpulse oder attraktive Angebote sollen Neukunden gewonnen und Altkunden bei der Stange gehalten werden. "In diesem Spiel haben Firmenkunden eine gute Verhandlungsposition", gibt Stefan Moldaner, Direktor Vertrieb Businesskunden, Nutzfahrzeuge und Gebrauchtwagen bei Peugeot, unumwunden zu.

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