Lebensmittelbranche
Falsche Eier-Kennzeichnung wohl „flächendeckende Praxis“

Die bewusste Täuschung von Verbrauchern bei der Deklarierung von Eiern schreckt die Politik auf. Der zweite große Etiketten-Schwindel nach dem Pferdefleisch-Skandal lässt am Erfolg von Lebensmittelprüfungen zweifeln.
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BerlinIm Skandal um Millionen falsch deklarierte Bio-Eier fordern Politiker und Verbände Konsequenzen für betrügerische Betriebe und das staatliche Kontrollsystem. Hier sieht Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) besonders die Länder in der Verantwortung. „Es geht auch immer um die Kontrollen und hier muss ich auch eindeutig sagen: Die Kontrollen, für die die Länder ja zuständig sind, können nicht nur vom Schreibtisch aus durchgeführt werden, sondern man muss sich natürlich die Betriebe auch mal vor Ort anschauen“, sagte Aigner am Montag in Brüssel.

Auch FDP und Grüne forderten schärfere Kontrollen von landwirtschaftlichen Betrieben und ein Zählen der Tiere. Der Tierschutzbund verlangte eine Sonderkommission von Bund und Ländern. „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, geht es hier um Betrug im großen Stil: Betrug an den Verbrauchern, aber auch Betrug an den vielen Bio-Landwirten in Deutschland, die ehrlich arbeiten“, erklärte Aigner. Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben vor allem aus Niedersachsen sollen als angebliche Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Die Legehennen sollen in überfüllten Ställen nicht so gehalten und gefüttert worden sein, wie es für Bio-Eier vorgeschrieben ist.

Betrügereien bei der Hühnerhaltung und der Eier-Kennzeichnung sind nach Angaben der Ermittler weit verbreitet. „Es scheint relativ flächendeckend Praxis gewesen zu sein“, sagte der Leiter der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Roland Herrmann. Seine Behörde ermittelt gegen rund 100 Betriebe in Niedersachsen. Diese seien alle durchsucht worden. Gegen einige stehe das Verfahren kurz vor dem Abschluss. Die Ermittlungen werden insgesamt aber noch längere Zeit dauern, sagte Herrmann

Die Behörde hatte etwa 50 weitere Verfahren an Ermittler in anderen Bundesländern abgegeben, so nach Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Betroffen sein sollen auch Betriebe in den Niederlanden und Belgien. Erste Verfahren seien bereits im Herbst 2011 eingeleitet worden, schreibt der „Spiegel“, der den Skandal bekanntgemacht hatte. Keine falsch deklarierten Eier wurden bislang in Baden-Württemberg und Brandenburg entdeckt, dagegen besteht ein erster Verdacht gegen zwei Betriebe in Thüringen.

Aigner verwies darauf, dass Vorgaben an Bio-Betriebe sehr streng seien und strikt eingehalten werden müssten. Für die Freilandhaltung von Hühnern sind mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche pro Huhn vorgeschrieben. Freilandeier dürfen nur dann als „Bio“ in den Handel, wenn auch bestimmte Futtermittel-Auflagen erfüllt werden.

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Betriebserlaubnis für Betriebe könnte entzogen werden

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  • Das ist ja nicht nur bei Bio,wo der schnelle Euro verdient werden kann,ist das verbrechen schon da.Wir Verbraucher werden immer und überall betrogen,das wird auch so bleiben,weil die Strafen zu winzig sind gegenüber dem Gewinn.Wenn ich beim Betrug 200 Millionen verdienen kann,aber wenn ich erwischt werde 1,5 Jahre mit Bewährung plus 1,5 Mill Strafe bekomme,da haben Die aber Angst.Habe noch nie an Bio geglaubt,man kann einfach zu leicht mogeln und wir sehen ja ,Sie tun es immer wieder.Wer versucht Schweine Mist so anzureichern mit Chemie,das es die Schweine wieder zu fressen bekommen,Die sind Pervers.Die EU ist doch auch eine Lachpille,die könnten doch so einiges verbieten.Tiere oder Fleisch durch ganz Europa fahren?? Kann ja nur für die Leute Sinn machen,die sich wieder die Taschen voll machen. Eigentlich macht es ja kein Sinn sich Gedanken zu machen oder aufzuregen,ABER GENAU DAS HOFFEN DIE 10% die den Hals nicht voll bekommen.

  • Abstrus, wie sich einige "genüsslich" politisch gegenseitig vergiften, wer denn nun mehr Schuld hat an der "unendlichen" Skandalgeschichte - Könnte BILD wochenlang von "leben"
    Zu den Ursachen:
    1. gegenwärtiger Förderalismus (incl. der EU-Länder) erschwert Kontrollen und dient nun mal der Kriminalität
    2. fehlende Haftung für Lieferantenqualität vermeidet fast jeden Skrupel - Hauptsache Profit!
    3. (Lebensmittel-) Verarbeitung und Handel müssen an (teure) Lizenzen geknüpft sein, die bei nachgewiesenen Verstößen (auch der von Lieferanten) AUTOMATISCH erlöschen.
    Versuch doch mal, einem Polizisten für 50€ die Waffe abzukaufen. Der würde der nicht mal für 5000 € machen. Er riskiert viel zu viel. Genauso sollte es beim Umgang mit Lebensmitteln sein. Drohung mit Entzug der Profitquelle!

  • Egal, ob schwarz,rot,gelb,grün,braun...
    die Politikerkaste versagt auf ganzer Linie und auf allen Ebenen.

    Warum haben wir die Euro-Krise? Weil ein ganzer EU-Politkapparat bei den laut Gesetz vorgeschrieben Kontrollen geschlafen und versagt hat.

    Das gleiche passiert jetzt im Lebensmittelbereich. Millionen Seiten von Verordnungen haben die Politiker beschmutzt. Nur sind sie nicht in der Lage die Umsetzung vorzunehmen und zu kontrollieren.

    Unsere Politiker betreiben nicht die gerinste Risikovorsorge, wie das von jedem zweitklassigen Geschäftführer in der Wirtschaft gemacht und erwartet wird.

    Wenn das Ei in den Brunnen gefallen ist, beginnt Frau Aigner zu gackern !!

    Ganz schnell und simpel ließe sich das Kontrollproblem lösen. Jeder Händler muss verpflichtet werden, die Qualität der verkauften Waren sicherzustellen. Wird in seinen Regalen Dreck gefunden, müssen 20 % des Gewinns als Strafe abgeführt werden.

    Was glauben Sie, wie schnell der Wareneingang bei Rewe, Edeka, Lidl Aldi usw. dann auch die Qualität prüft?

    Auf Frau Aigner und die Politikerkaste können wir nicht mehr vertrauen.

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