Leiharbeiter-Affäre
dm überdenkt Zusammenarbeit mit Amazon

Die Kritik an Amazon reißt nicht ab. Neben der Textilfirma Trigema will nun auch die Drogeriekette dm die Kooperation mit dem US-Händler überdenken. Außerdem herrscht Verwirrung um eine österreichische Leiharbeitsfirma.
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DüsseldorfDer Online-Händler Amazon bemüht sich nach den schweren Vorwürfen wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Deutschland um Schadensbegrenzung. Verwirrung herrscht allerdings um die Rolle des österreichischen Leiharbeitsunternehmens Trenkwalder, der nach eigenen Angaben gut 1.000 Leiharbeiter für das Weihnachtsgeschäft bei Amazon zur Verfügung gestellt hatte.

Der Personaldienstleister hat am Dienstag noch alle Vorwürfe im Zusammenhang mit der schlechten Behandlung der Leiharbeiter zurückgewiesen. Das Unternehmen sei nach einer ARD-Dokumentation über die Arbeitsbedingungen in einem Logistikzentrum des Online-Händlers am Montag einer behördlichen Sonderprüfung unterzogen worden, so Trenkwalder.

„Die Prüfung des Zolls hat zu keiner Beanstandung geführt. Die Prüfung der Bundesagentur für Arbeit hat die öffentlich vorgebrachten Anschuldigungen nicht bestätigt“, heißt es gestern noch in der Stellungnahme. Zudem habe man 2012 nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter für das Amazon-Weihnachtsgeschäft gestellt. Der US-Versandkonzern hatte im November von 10.000 zusätzlichen Arbeitskräften gesprochen.

Das sieht die Bundesagentur für Arbeit allerdings anders und widerspricht. In einer Pressemitteilung heißt es man habe „gemeinsam mit der Zollverwaltung unverzüglich nach Ausstrahlung der ARD-Dokumentation „Ausgeliefert“ eine Sonderprüfung bei der Firma Trenkwalder durchgeführt. Dabei wurden Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz festgestellt. Die Bundesanstalt wird in dem dafür vorgesehenen Verwaltungsverfahren über die Konsequenzen entscheiden.“

Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesanstalt: „Zeitarbeit ist eine etablierte Beschäftigungsform auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Es muss sich aber jeder an die geltenden Spielregeln halten. Wir sehen unsere Aufgabe darin, diese Regeln zu überwachen und bei Verstößen dagegen vorzugehen. Das sind wir auch den Menschen schuldig, die in der Zeitarbeit beschäftigt sind. Wir wollen keine schwarzen Schafe.“

Unterdessen reißt die Kritik an Amazon nicht ab. Neben Verlagen und dem Textilhersteller Trigema will nun auch die Drogeriekette dm die Kooperation mit dem Online-Versandhändler überdenken.

„Wir haben die Vorwürfe sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen“, sagt dm-Geschäftsführer Erich Harsch der Neuen Westfälischen Zeitung. Sein Unternehmen erwarte, dass Kooperationspartner sich „menschengerecht“ verhalten. Andernfalls werde die Zusammenarbeit „kritisch hinterfragt“.

Die ARD-Reportage hatte vergangene Woche Missstände bei Beschäftigung und Unterbringung von Leiharbeitern bei Amazon aufgezeigt. Daraufhin zog der Konzern bei zwei Partnern die Notbremse und beendete die Zusammenarbeit mit einem umstrittenen Sicherheitsdienst und einem Dienstleister, der sich um die Unterbringung ausländischer Saisonkräfte gekümmert hatte.

Laut ARD sollen ausländische Mitarbeiter von Amazon von dem Sicherheitsdienst H.E.S.S. auf Schritt und Tritt kontrolliert worden sein. Die Firma habe demnach Kontakte in die Neonazi-Szene, was diese zurückwies. Der Internetkonzern stand bereits in der Vergangenheit wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik.

So kämpft die Gewerkschaft Verdi schon seit längerem um gleiche Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter. Amazon waren in dem Bericht menschenunwürdige Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern aus Spanien und Polen in seinem Versandlager im hessischen Bad Hersfeld vorgeworfen worden. Auch seien die Sozialbeiträge für die Beschäftigten nicht korrekt abgeführt worden. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen drohte der Leiharbeitsfirma mit Konsequenzen.

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  • Solche Sklaverei findet mann doch bei jeder Zeitarbeitfirma. Wenn mann als Familienvater für 8,19 arbeiten geht ist das keine ausbeutung???

  • Ermutigend, dass der erschütternde Bericht "Ausgeliefert" auch die Behörden aufgerüttelt hat. Als Verbraucher haben wir zumindest ein Mittel: Den Boykott von profitgierigen Unternehmen, die Sklaverei und Menschenverachtung verantwortungslos fördern.

  • Bedankt.

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