Liberalisierung des Einzelhandels
Indien öffnet sich Handelskonzernen

Indien öffnet seinen bisher streng abgeschotteten Einzelhandel für ausländische Investoren. Grund ist die Finanzkrise, die den Bedarf an ausländischen Direktinvestitionen verstärkt. Bis jetzt bleibt der Drang westlicher Konzerne nach Indien verhalten - Schuld sind bürokratische und rechtliche Hürden.

NEU-DELHI/DÜSSELDORF. "Seit Jahren richten die großen Handelshäuser ihre Blicke nach Indien, jetzt ist die Tür zum Einstieg offen", erklärt Harminder Sahni, Geschäftsführer der Beratungsfirma Technopak in Gurgaon.

Erstmals erhalten internationale Handelskonzerne die Möglichkeit, in dem regulierten Markt mit mehr als einer Milliarde Konsumenten Fuß zu fassen - zumal auf dem Subkontinent die Konsumausgaben in den vergangenen vier Jahren um 75 Prozent nach oben schossen.

Ende vergangener Woche hatte die indische Regierung überraschend eine Reform der Regeln für ausländische Direktinvestitionen verkündet. Sie erlaubt Ausländern erstmals den Einstieg bei indischen Einzelhändlern. Allerdings nur indirekt über die Minderheitsbeteiligung an einer Holdinggesellschaft (siehe Kasten). Eine direkte Beteiligung an Einzelhandelsketten bleibt verboten.

Dennoch spricht Kishore Biyani, Vorstandschef des größten indischen Einzelhändlers Future Group, von einem entscheidenden Schritt zur Öffnung der Branche. Indiens Handelsunternehmen bräuchten dringend Kapital. Er begrüße deshalb, dass die Regierung die Restriktionen für ausländische Investoren deutlich gelockert habe.

Seitdem die Wirtschaftskrise auch in Indien schmerzhaft spürbar ist, hält nicht nur die Future Group mit ihren rund 1 000 Läden Ausschau nach einem finanzkräftigen Partner. Verwöhnt von Wachstumsraten zwischen 20 und 25 Prozent während der vergangenen Jahre hatten auch andere Einzelhändler massiv auf Expansion gesetzt. Einige haben sich dabei übernommen. Die Lebensmittelkette Subhiksha, die in zwei Jahren 1 600 Läden eröffnete, kann Löhne und Lieferanten nicht mehr bezahlen und hat den Großteil ihrer Geschäfte wieder geschlossen.

Selbst kapitalstarke Mischkonzerne wie Reliance Industries, der mit der Tochter Reliance Retail sechs Mrd. Dollar umsetzt und im indischen Handel Marktführer ist, üben sich neuerdings in Konsolidierung.

Seite 1:

Indien öffnet sich Handelskonzernen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%