Lokführer-Streik
Deutschland ohne Bahn

Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat begonnen. Die Bahnhöfe sind leer – die Straßen umso voller. Nun könnte sogar das Benzin knapp werden. Die Bahn will die Streiks juristisch stoppen.
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Düsseldorf/Köln/WuppertalDie Wuppertaler sind Stillstand gewohnt. Seit dem Sommer ist die Hauptachse durch die Stadt am Hauptbahnhof für drei Jahre gesperrt. Er wird komplett saniert, ein riesiges Projekt. Schon jetzt führt das täglich zu Staus und überfüllten Straßen. Am Donnerstag fällt dann auch noch das Wahrzeichen aus: Die Schwebebahn ist für viele eine ganz normale Station auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule. Nun aber Betriebsstörung.

Dann der Hauptbahnhof. Ein überraschendes Geräusch, ein fahrender Zug. Nur ein Gütertransport. Verhöhnung der Fahrgäste? Mitnichten. Denn die meisten sind gar nicht da. Die Kunden bestreiken den Streik.

Chaos, das wird definiert als völliges Durcheinander oder Abwesenheit aller Ordnung. An diesem ersten Tag des Rekordstreiks der Bahn-Lokführer trifft vornehmlich eines zu: Abwesenheit. Auf den hinteren Bahnsteigen, wo normalerweise S-Bahnen fahren, steht niemand.

Auf dem ersten Bahnsteig tummeln sich weniger Pendler als üblich. Kein Drängen, kein lauter Frust. Nur die ständigen Durchsagen und Leuchtanzeigen erinnern an die Ausfälle. Die Privatbahn fährt einmal die Stunde. „Die bisherigen Streiks hatten keine Auswirkungen auf unseren Betrieb“, hatte ein Sprecher der Eurobahn am Vortag versichert. Das wiederholt sich, der Zug ist nicht voller als sonst. Alles wie immer. Die Menschen hören Musik, schlafen, schauen auf ihre Smartphones, lesen.

Dafür ist es auf den deutschen Straßen umso voller. Der ADAC meldet zahlreiche Verkehrsstörungen. Der Weg von Köln nach Düsseldorf etwa dauert am Donnerstagmorgen nicht die üblichen 40 Minuten, sondern anderthalb Stunden – schleichender Verkehr an fast jeder Ausfahrt, hinzu kommen die üblichen Wegverzögerungen durch Baustellen auf der Strecke.  

Auf der A 52 geht es nur im Schneckentempo vorwärts. Erster Gang, zweiter Gang, wieder abbremsen. Stillstand. Dann wieder ganz langsam anrollen. Rund 10 Kilometer lang. Erst nach dem Kaarster Kreuz, als es dreispurig Richtung Düsseldorf geht, fließt der Verkehr wieder mit mehr als 100 km/h.

Nun wird sogar mit Engpässen bei der Kraftstoffversorgunggerechnet. Beim Spritnachschub „wird es aus meiner Sicht auf jeden Fall Engpässe geben, zumal ja auch das Aufkommen im Individualverkehr erhöht sein wird“, sagte Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft dem Sender MDR Info. Er rechne mit Engpässen „spätestens Sonntag oder Montag“. Raffinerien hätten Probleme, die Tankstellen zu beliefern.

Kommentare zu " Lokführer-Streik: Deutschland ohne Bahn"

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  • Die einzige Entschuldigung für das Verhalten von Herrn Weselsky ist, daß er als Ex-DDRler das hohe Gut verantwortungsvoller Sozialpartnerschaft, wie es die großen Gewerkschaften praktizieren, nicht so recht versteht. Stattdessen fährt er einen "Alles-oder-Nichts-Konfrontationskurs", bei dem es nur noch um Machtpolitik geht. Wer zeigt dem Amokläufer Weselsky endlich das Rotsignal?

  • Es ist schon ärgerlich ( ;) ), dass es noch Gewerkschaften gibt, die sich energisch für die Rechte ihrer Mitglieder einsetzen.

    Wir haben uns anscheinend zu sehr an die weichgespülte Variante gewöhnt, wo man den Arbeitnehmervertretern nur mal kurz einen "Puff"-Besuch bezahlen muss und schon ist alles eitel Sonnenschein.
    http://de.wikipedia.org/wiki/VW-Korruptionsaff%C3%A4re

    Wir (der Staat) können selbst entscheiden, welche Berufsgruppen streiken dürfen und welche nicht. Wenn wir der Meinung sind, dass ein funktionierender Schienenverkehr essentiell wichtig für unser Land ist, dann müssen wir die Angestellten dort halt verbeamten.

  • Mit der GDL tut hier einer schwer was gegen "201 gute Gründe in Deutschland keine Kinder zu bekommen": http://analogo.de/2014/10/17/1248/

    Man könnte bei den Punkten 1 bis 3 aufhören, aber findet ab Punkt 158 einige relevante Punkte bezüglich Arbeitsbedingungen.

    Das gerichtliche Vorgehen wird hoffentlich ergeben, dass auch wirtschaftlichen Interessen das Grundgesetz zugrunde liegen muss. Mir - ist es das wert. Auch wenn bei mir dafür Mehrkosten anallen.

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