Lufthansa und Air Berlin
Deutsche Airlines auf Sparkurs

Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften, Air Berlin und Lufthansa, stecken in Schwierigkeiten. Beide leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Doch einige Probleme sind hausgemacht.
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FrankfurtEin Seitenhieb auf den jahrelangen Rivalen Air Berlin konnte sich Lufthansa-Chef Christoph Franz nicht verkneifen. „Ich hoffe, dass wir niemals an einen Punkt kommen werden, an dem wir von einem Schicksalsjahr sprechen müssen und andere unser Schicksal in die Hand nehmen“, sagte er bei der Vorlage der Bilanz der Lufthansa für das vergangene Jahr. Die Berliner gehören mittlerweile zu fast einem Drittel der arabischen Airline Etihad. Die Lufthansa wähnt sich alleine stark genug, um im harten europäischen Geschäft zu bestehen.

Dabei ist auch das Betriebsergebnis der Lufthansa um 50 Prozent auf 734 Millionen Euro eingebrochen. Die Ertragskraft betrug 2011 gerade noch 3,4 Prozent - meilenweit entfernt vom Ziel einer Umsatzrendite in Höhe von acht Prozent, das Vorstandschef Christoph Franz vorgegeben hat.

Dem deutschen Konkurrenten geht es noch schlechter: Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn muss nach seinem ersten Halbjahr im Amt einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 247 Millionen Euro ausweisen, deutlich mehr als im Vorjahr. Auch die Berliner leiden unter dem schwachen Marktumfeld. Die Kerosinpreise steigen, die Passagiere bleiben aus und die Fluggesellschaften fürchten die Folgen der anstehenden EU-Umweltabgabe.

Zudem steigt der Konkurrenzdruck durch die Billigflieger und die aggressiv-expansionswütigen arabischen Airlines. Wachstum ist nicht mehr zu erwarten. Zuletzt schlug auch Tony Tyler Alarm, Chef der Weltluftfahrt-Organisation Iata. Sollte sich die Wirtschaft in Europa nicht erholen, müssten die Fluggesellschaften in den kommenden Jahren mit Milliardenverlusten rechnen. Der Kontinent schwächelt: Durch die Schuldenkrise ist die Konjunktur in Süd- und Osteuropa am Boden, die Zahl gut zahlender Geschäftsreisender sint, mit denen Fluglinien das meiste Geld verdienen.

Doch der Misserfolg lässt sich nicht alleine durch die Probleme erklären, die alle Airlines betreffen.

Kommentare zu " Lufthansa und Air Berlin: Deutsche Airlines auf Sparkurs"

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  • Ist es nicht alarmierend, dass LH nur noch mit Leistungen ohne direkten Dienst am Kunden Gewinn macht?! Eine Kategorie "hausgemachter" Probleme von Lufthansa wird hier gar nicht angesprochen: Die mangelnde Qualität!
    Eigene Erfahrung: Seit 2002 lege ich regelmäßig die Strecke Frankfurt - Incheon/Korea, meist in Economy, zurück. 3 Airlines hat man zur Auswahl, von denen Asiana (lt. jährlichen Umfragen die beste oder zweitbeste der Welt), Korean Air und eben LH. Die koreanische Asiana ist - verständlicherweise - immer zuerst ausgebucht, gefolgt von Korean Air, obwohl diese im Schnitt die höchsten Preise verlangt. Bei LH bekommt man trotz der häufigen Kampfpreis-Aktionen (bis zu 30 % unter den Konkurrenten) auch noch spät ein Ticket. Dass auch ich trotz der Discount-Verlockungen inzwischen einen Bogen um LH mache, hat einen Grund: häufige Überbuchungen, sog "technisch-bedingte" Verspätungen, zuweilen arrogantes oder unflexibles Personal, verschwundene Gepäckstücke, eng gepackte Sitzreihen etc. Vielleicht sollte LH erstmal vom Qualitätsmanagement der Weltbesten lernen, bevor sie sich in wertvernichtende Akquisitionsabenteuer (AUA, Tyrolean etc.) stürzt. Und noch etwas: Qualität im Sinne zuverlässiger Prozesse macht Fliegen nicht teurer, im Gegenteil!

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