Management-Anträge
Hedgefonds bremsen Techem-Vorstand

Die beim Energiedienstleister Techem eingestiegenen Hedgefonds haben die Pläne des Managements zum Teil deutlich zurechtgestutzt. Vor allem in einem Punkt musste die Techem-Spitze auf der gestrigen Hauptversammlung eine Niederlage einstecken.

FRANKFURT. Die Abstimmungshürde für wichtige Satzungsänderungen der Gesellschaft bleibt wie gehabt bei 75 Prozent und wird nicht wie beantragt auf 85 Prozent erhöht. Horst Enzelmüller, der Vorstandsvorsitzende von Techem, hatte noch einmal versucht, den Aktionären die höhere Hürde schmackhaft zu machen. Sein Ziel: Der Einfluss einzelner Hedgefonds soll begrenzt werden. „Wir möchten bei den Beschlüssen, die abstrakt geeignet sind, den Interessen der Techem AG und ihrer Aktionäre zuwiderzulaufen, vermeiden, dass sie von einer geringen Anzahl von präsenten Aktionären gefasst werden können“, sagte er.

Doch am Ende scheiterte er an dem Votum der Aktionäre, die dem Antrag von Ferdinand von Rom, Anwalt und Sprecher der beiden Hedgefonds Elliott International und The Liverpool Limited Partnership, die Mehrheit gaben. Er hatte gefordert, nicht über die Erhöhung des Quorums abzustimmen.

Die Hauptversammlung war mit Spannung erwartet worden. Während des im vergangenen Herbst gestarteten Übernahmewettstreits zwischen den Finanzinvestoren Macquarie und BC Partners waren bei Techem massiv Hedgefonds eingestiegen und hatten die Übernahme am Ende verhindert. Damit ist eine Art Pattsituation entstanden. Auf der einen Seite steht der australische Investor Macquarie mit einem Anteil von gut 25 Prozent. Auf der anderen Seite befindet sich Gruppe von Hedgefonds, deren Anteil auf bis zu 40 Prozent geschätzt wird. Alleine Elliot und Liverpool besitzen offiziell 15,5 Prozent der Techem-Papiere. Damit hätte diese Gruppe angesichts einer Hauptsversammlungspräsenz von 60 bis 70 Prozent bei wichtigen Entscheidungen Einfluss.

Auch bei den geplanten Möglichkeiten, sich etwa für Zukäufe frische Mittel am Kapitalmarkt besorgen zu können, zeigten die Fonds dem Techem-Management Grenzen auf. So wurde das genehmigte Kapital auf maximal 20 Prozent des Grundkapitals begrenzt. Enzelmüller hatte eine Erhöhung um bis zu 50 Prozent gefordert. Ebenso wurde das Recht auf Ausgabe von Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen gedeckelt. Hier setzen die Aktionäre eine Halbierung des Volumens auf bis zu 350 Mill. Euro durch. Für Hedgefonds sind solche Kapitalmaßnahmen stets ein sehr ungeliebtes Instrument, da sie ihren Anteil verwässern und damit indirekt auch ihren Einfluss und die Renditemöglichkeiten des Engagements einschränken.

An der Ablehnung konnte auch Enzelmüllers Werben für die Pläne nichts ändern. Er verwies auf die hohe Dividende, die zwei Euro je Aktie betragen soll. Damit schüttet Techem 80 Prozent des Jahresüberschusses an die Aktionäre aus. „Wir sind absolut überzeugt, dass wir auch nach dieser Ausschüttung finanziell für unseren strategischen Weg gut gerüstet sind, wenn Sie uns die erforderlichen Instrumente zur Wachstumsfinanzierung ebenfalls an die Hand geben“, hatte der Techem-Chef zuvor argumentiert.

Keinen Streit gab es dagegen um die neu zu besetzenden Vorstandsposten. Macquarie und die Hedgefonds hatten sich unmittelbar vor der Hauptversammlung auf einheitliche Kandidaten geeinigt und damit eine Kampfabstimmung verhindert. Damit schickt die Fondsseite den Investmentbanker Robert H. O. Hock in das Kontrollgremium. Für Macquarie rückt Martin Stanley in den Aufsichtsrat.

Enzelmüller hatte in seiner Rede zum Teil deutliche Kritik an den Finanzinvestoren geübt. „Heuschrecken sind ja kleine Tiere, manchmal nützlich, aber nicht immer und im Fall Techem fraglich“, sagte der Techem-Chef.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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