Manager geht, neue Aufsichtsräte
Benko baut Macht bei Karstadt aus

Und noch ein Führungswechsel: Karstadt-COO Hartmann verabschiedet sich vom kriselnden Warenhauskonzern. Neu-Eigentümer Benko wirbelt auch den Karstadt-Aufsichtsrat durcheinander.
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DüsseldorfDer neue Karstadt-Eigner Rene Benko hat nach der Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette eine Reihe von Vertrauten in den Aufsichtsrat des Essener Konzerns entsandt. Neu im Karstadt-Aufsichtsrat ist unter anderem Robert Leingruber, der bei Benkos Signa Holding für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, wie aus einem am Donnerstag auf der Internet-Seite des Bundesanzeigers veröffentlichten Dokument hervorgeht. Das Gremium soll in zwei Wochen über die Karstadt-Sanierung beraten - Benkos Kontrolleure sitzen dann mit am Tisch. Vorsitzender des Gremiums bleibt dem Dokument zufolge Stephan Fanderl, der die rund 17.000 Beschäftigten bereits auf harte Einschnitte eingestimmt hat. Im Karstadt-Management dauerte der personelle Aderlass an: Der unter anderem für Datenverarbeitung und Strategie zuständige Rüdiger Hartmann warf das Handtuch.

Insgesamt rücken acht neue Mitglieder in das Kontrollgremium auf, darunter auch Manager der Signa Holding Benkos. So ist der neue Karstadt-Kontrolleur Wolfram Keil unter anderem Finanzchef der Signa-Tochter Recap. Keil hatte bereits angekündigt, Signa wolle sich auf die Sanierung konzentrieren. Neu-Aufseher Marcus Mühlberger ist „Finanzvorstand in unterschiedlichen Bereichen der Signa“, wie es auf einer Signa-Internetseite heißt. Die frisch bestellten Aufsichtsräte ersetzen Vertreter des ehemaligen Karstadt-Eigners Nicolas Berggruen, von dem Benko die Kette für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen hatte. Ein Karstadt-Sprecher wollte sich nicht zu den Berufungen äußern, Signa war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Kontrollgremium soll am 11. September über Sanierungspläne für die Warenhauskette beraten. Investor Benko müsse rasch Klarheit über seine Pläne mit Karstadt schaffen und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Kette vorlegen, hatte die Gewerkschaft Verdi immer wieder gefordert. Die Karstadt-Übernahme durch Benko hatte auch Spekulationen über eine Warenhausallianz mit der Metro-Tochter Kaufhof neu angefacht. Benko, dessen Signa Holding auch zahlreiche Karstadt-Immobilien besitzt, hatte sich in der Vergangenheit bereits vergeblich um eine Übernahme des Kaufhof bemüht.

Die rund 17.000 Karstadt-Mitarbeiter müssen nun weiter bangen, wie es mit der Kette weitergeht. Karstadt-Aufsichtsratschef Fanderl hatte angekündigt: „Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen.“ Er hatte hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Karstadt-Häusern ein Fragezeichen gesetzt.

Karstadt-Manager Hartmann scheide auf eigenen Wunsch aus, teilte der Essener Konzern weiter mit. Erst vergangene Woche hatte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz den Hut genommen. Damit leitet derzeit übergangsweise Finanzvorstand Miguel Müllenbach allein den Konzern, der seit Jahren mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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