Marktforscher Kohler
„Privatjets legen ihr Luxusimage ab“

Die private Luftfahrt wartet weiter auf die Erholung nach der Euro-Krise. Im Interview erklärt Marktforscher Christoph Kohler, wie sich das Image der Privatflieger wandelt – und wo die Branche noch wächst.
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Handelsblatt Online: Herr Kohler, in der Euro-Krise galt die private Luftfahrt vielen als überflüssiger Luxus. Hat sich die Branche mittlerweile erholt?

Christoph Kohler: Wir sehen momentan in Gesamteuropa einen Trend, der immer noch eher negativ verläuft. Die Geschäftsluftfahrt ist insgesamt auf dem Sinkflug. Gerade Italien, Griechenland und Spanien haben in den letzten Jahren sehr unter der wirtschaftlichen Unsicherheit gelitten. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: In der Ukraine und Russland wächst der Markt beispielsweise zweistellig. Im Vergleich zu Amerika ist die private Luftfahrt in Europa aber immer noch deutlich weniger verbreitet.

In den USA werden Privatflüge immer günstiger. Könnte sich dieser Trend auch in Europa fortsetzen?

Die Kostenstruktur in Europa ist eine andere. Zum Vergleich: In Europa gibt es derzeit ungefähr 4000 Privatflugzeuge, in Amerika 20.000 Maschinen. Nicht nur Jets, sondern auch Turboprop-Maschinen. Ein Flug mit einer solchen Propellermaschine ist in den USA schon ab 900 Dollar pro Stunde möglich. Auch die Nachfrage ist größer: Allein durch die geografische Größe können und wollen viele US-Unternehmen nicht auf die Vorzüge der privaten Luftfahrt verzichten.

Wie sieht es bei deutschen Konzernen aus?

Eigene Flotten für Langstrecke betreiben eher große Konzerne, in Deutschland beispielsweise BASF, BMW oder VW. Bei internationalen Geschäften oder Werksbesuchen sind Privatjets sehr flexibel einsetzbar. Aber auch für kleine Unternehmen kann ein Privatflug erschwinglich sein.

Welche Folgen hat der Preisdruck für das Image der privaten Luftfahrt?

Der Privatjet wird mittlerweile ganz pragmatisch genutzt. Das hat auch positive Effekte. Immer mehr Kunden wenden sich nicht mehr an einen Broker, also eine Art Vermittler zwischen Fluggesellschaft und Passagier, sondern direkt an die Unternehmen, um die Preise zu vergleichen. Einige Unternehmen haben darum ihre Außendarstellung verändert und so die private Luftfahrt auch für neue Kunden zugänglich gemacht. Das ist ein sehr positiver Trend. Die Geschäftsluftfahrt schafft es immer besser, ihre Vorzüge zu kommunizieren, statt ihr Luxusimage vor sich herzutragen.

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„Privatjets legen ihr Luxusimage ab“

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„Es ist fast unmöglich, Leerflüge zu verkaufen“

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