Mayrhuber zieht Kandidatur zurück
Die große Blamage der Lufthansa

Das hat es in der jüngeren Geschichte nicht gegeben: Am Tag vor der Hauptversammlung zieht ein designierter Aufsichtsratschef seine Kandidatur zurück. Die Lufthansa muss einen Ersatz für Mayrhuber aus dem Hut zaubern.
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FrankfurtDilemma vor der Hauptversammlung: Die Lufthansa muss sich einen Tag vor dem Aktionärstreffen einen neuen Kandidaten für den Chefposten im Aufsichtsrat suchen. Wolfgang Mayrhuber zieht seine Kandidatur für den Aufsichtsrat und als Nachfolger von Chefkontrolleur Jürgen Weber zurück. Das Unternehmen bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung”.

„Wolfgang Mayrhuber hat wegen der Kritik aus Aktionärskreisen (...) erklärt, nicht für das Amt zur Verfügung zu stehen“, teilte die Lufthansa mit. Vor allem Großinvestoren hätten Vorbehalte gegenüber Mayrhuber geäußert, der selbst lange als Vorstandschef die Fluggesellschaft geführt hatte und nun nach einer zweijährigen Abstinenz in den Aufsichtsrat einziehen wollte, schreibt die „FAZ“.

So hätten sich Union Investment oder Templeton zuletzt gegen Mayrhuber als obersten Chefkontrolleur ausgesprochen. Auch der einflussreiche Aktionärsberater ISS legte den Lufthansa-Aktionären nahe, die Wahl von Mayrhuber nicht zu unterstützen, schreibt die „FAZ”. Unter anderem halte Mayrhuber zu viele Kontrollposten bei anderen Unternehmen, um sich auf die Herausforderungen der Lufthansa zu konzentrieren.

Die Aktie notierte nach der Lufthansa-Mitteilung in Frankfurt mit knapp im Minus.

Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Köln sollen neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden. Noch am Montag berät der Aufsichtsrat über einen Ersatzkandidaten für Mayrhuber. „Dieser Wahlvorschlag wird umgehend nach Abstimmung veröffentlicht und zur Wahl gestellt“, teilte die Fluggesellschaft mit.

Vor der Aktionärsversammlung kommen aus dem drastischen Sparprogramm des Konzerns immer mehr Details an Licht. Der Vorstand will wie bereits angekündigt auch bei sich selbst ansetzen: Neben den Eignern und der Belegschaft könnte auch das Management auf Teile seiner Bezüge verzichten. „Der Vorstand macht sich Gedanken, welchen Beitrag er leisten kann“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Samstag und bestätigte damit einen Bericht des Magazins „Focus“. Konkrete Angaben zum Umfang eines Beitrags machte sie nicht. Bei dem Aktionärstreffen dürfte der Vorschlag des Vorstands für Krach sorgen, den Aktionären für 2012 die Dividende zu streichen.

46 Jahre nach seinem Eintritt in das damals noch staatliche Unternehmen verlässt der langjährige Vorstandschef (1991-2003) und Aufsichtsratsvorsitzende (2003-2013) Jürgen Weber den größten Luftverkehrskonzern Europas. Als Nachfolger des 71-Jährigen war der Österreicher Mayrhuber vorgeschlagen, der Weber schon an der Unternehmensspitze nachgefolgt war. Der frühere Vorstandschef (2003-2010) hat nach den Grundsätzen einer guten Unternehmensführung eine zweijährige „Abkühlungszeit“ hinter sich.

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Weber muss Sparprogramm „Score“ verteidigen

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  • Ich würde jetzt Stephan Gemkow bitten, den AR Vorsitz zu übernehmen.

  • Lufthansa hat gegen Etihad&Emirates und norwegische Airlines langfristig eh keine Chance.

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