McDonald's-Kopie in der Ostukraine
Für einen Rebellenburger zu „DonMak“

Vor zwei Jahren schloss McDonald's alle Filialen in den Separatistengebieten der Ostukraine. Jetzt haben die Rebellen die Fastfood-Läden wieder geöffnet. Die Preise sind hoch – und das Fleisch gibt es nur auf Umwegen.

LuhanskDas gelbe M, lärmende Schlangen an der Essensausgabe, Kinder mit Luftballons: Auf den ersten Blick sieht das „Burger“ im ostukrainischen Luhansk aus wie eine McDonald's-Filiale. Doch tatsächlich wird die Hamburger-Braterei von Einheimischen betrieben. Mit nur kleinen Veränderungen öffnete die McDonald's-Kopie vor zwei Monaten, nachdem prorussische Rebellen die Betriebsräume der US-Fastfoodkette übernommen hatten.

Auf der Fassade prangt jetzt die Flagge der selbsterklärten Volksrepublik Luhansk. Drinnen kann man zwar keinen „Big Mac“ ordern, dafür aber einen „Big Mag“.

Der 18-jährige Nikita lässt es sich im „Burger“ schmecken. „So läuft es hier: Kaufhäuser und Cafés werden von den Behörden übernommen, sie ändern nur geringfügig den Namen“, sagt er. „Etwas Neues können sie sich nicht ausdenken.“ Er und seine Freunde kommen regelmäßig, so wie auch früher zu McDonald's – bevor der Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten die Industrieregion erschütterte.

Rund 9500 Menschen kamen dabei seit April 2014 ums Leben. Doch Nikita, der nur seinen Vornamen nennen will, klagt über deutlich gestiegene Preise: „Jetzt können wir uns nur zwei Portionen Pommes leisten. Es ist zu teuer geworden.“ Eine Portion koste 90 Rubel, umgerechnet rund einen Euro.

McDonald's schloss 2014 alle Filialen in den von Separatisten kontrollierten Gebieten. In einer Erklärung stellt das Unternehmen klar, es habe „nichts zu tun mit Geschäftsaktivitäten in den Räumlichkeiten von McDonald's“ in den Rebellen-Hochburgen Luhansk und Donezk. Bei der ukrainischen Regierung beschwerte sich McDonald's über die „illegale Beschlagnahme der Betriebsräume“ im Krisengebiet.

Die Kunden freuen sich über den Hamburger-Laden, so auch Dan Bertsch aus dem US-Bundesstaat Virginia. „In Amerika esse ich nicht oft bei McDonald's, doch in Luhansk denke ich, es ist nahrhaft, einen Hamburger zu essen“, sagt der Mittfünfziger, der seit drei Jahren in Luhansk lebt und mit einer Ukrainerin verheiratet ist. „Wir haben beim Essen keine große Auswahl wegen des Krieges“, ergänzt Bertsch, der ein T-Shirt mit dem Konterfei des russischen Präsidenten Wladimir Putin trägt.

„Burger“-Betreiber Sergej macht für die höheren Preise Lieferschwierigkeiten für Nahrungsmittel ins Krisengebiet verantwortlich. Doch die Qualität sei besser geworden, betont er. „Obwohl wir ähnliche Zutaten haben, sind wir nicht McDonald's“, sagt der 25-Jährige, der seinen Nachnamen ebenfalls nicht nennt. „Unsere Zutaten sind besser. Wir holen sie gefroren über Russland aus Finnland.“

Auch in Donezk, der anderen Hochburg der Separatisten, öffneten Anfang Juli zwei ehemalige McDonalds-Filialen unter dem Namen „DonMak“. Wie in Luhansk residieren sie in den ehemaligen Räumen der US-Kette und bieten ähnliche Produkte. Obwohl die prorussischen Rebellen die USA häufig als Feind darstellen und ihre kulturellen Beziehungen zu Russland betonen, bildeten sich schnell lange Schlangen für Cola, Burger und Pommes.

Elena wartete 40 Minuten in dem überfüllten Lokal, um eine Bestellung aufzugeben. „Vorher habe ich mir immer überlegt, wohin ich mit meinem Kind gehen könnte“, sagt die 24-jährige Hausfrau. „Jetzt können wir seinen Geburtstag hier feiern.“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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