Metro
Anteilseigner fordert Rückzahlung der Dividende

Hansjörg Hereth, Kleinaktionär von Metro, hat die Konzernspitze auf der Hauptversammlung scharf angegriffen. Sein Vorwurf: Das Management habe den Großaktionären unberechtigt eine Dividende ausgezahlt.

DÜSSELDORF. Der ehemalige Spitzenmanager der einstigen Schweizer Konzernholding, der Metro 1994 im Streit verließ, griff am Donnerstag auf der Hauptversammlung den Vorstand von Deutschlands größtem Handelskonzern massiv an. Weil das Management um Hans-Joachim Körber den Großaktionären unberechtigt eine Dividende ausgezahlt habe, behauptete Hereth, müsse der Konzern heute auf rund eine Mrd. Euro Liquidität verzichten. „Wäre diese Liquidität in der Firmenkasse, würde dies den Aktienkurs deutlich erhöhen“, sagte der streitbare Kleinaktionär.

Dass Metro von seinem Großaktionär, der Metro-Vermögensverwaltung (MVV), gezahlte Dividenden zurückverlangen müsse, begründet Hereth mit einem formalen Fehler der MVV-Gesellschafter. Sie hatten es versäumt, eine ihrer Gesellschaften im Beteiligungsgeflecht als mittelbaren Metro-Anteilseigner zu melden. Erst im Mai 2005 wurde die Firma Baluga von MVV nachgemeldet.

„Nach dem Aktiengesetz verliert ein Meldepflichtiger seine Dividendenansprüche, wenn er die Meldefristen überschreitet“, sagte Jella Benner-Heinacher von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Für die MVV, in der die Familien Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck ihre Geschäftsanteile gepoolt haben, steht dabei viel auf dem Spiel. Bei einer Beteiligung von 55,5 Prozent an der Metro standen ihr allein 2005 rund 180 Mill. Euro Dividende zu.

Metro-Chef Körber wies Hereths Forderung zurück. „Der Dividendenanspruch entfällt nur dann, wenn Aktionäre vorsätzlich ihre Meldepflicht missachten“, sagte er. Davon sei bei der MVV keinesfalls auszugehen. Das Meldeverfahren habe der Großaktionär versehentlich falsch angewendet, schließlich sei dies eine komplexe Materie. Inzwischen verlange das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sogar, Komplementär-GmbHs von Kommanditgesellschaften zu melden.

Körber wies zudem darauf hin, dass die Nachmeldung der Zwischengesellschaft Baluga keine neuen Erkenntnisse für den Kapitalmarkt geliefert habe – und damit nicht kursrelevant gewesen sei. Die Konzernleitung habe dies durch mehrere renommierte Rechtsgutachter prüfen lassen. Die Nachmeldung sei außerdem „richtig und vollständig“ gewesen. Für Metro hat sich der ehemalige Finanzvorstand Hereth zu einem permanenten Widersacher entwickelt. Vor zwei Jahren beantragte er, den Vorstand wegen des Verkaufs der Beteiligungsgesellschaft Divaco nicht zu entlasten, in der die Düsseldorfer nahezu sämtliche zum Verkauf stehenden Töchter gebündelt hatten. Nachdem er sich in der Hauptversammlung nicht durchsetzen konnte, bemühte er vergeblich das Düsseldorfer Landgericht. Nach Hereths Auskunft soll die Angelegenheit nun vor dem Oberlandesgericht verhandelt werden.

Zunächst erfolgreich bemängelte der 70-Jährige im vergangenen Jahr die Rolle von Metros Wirtschaftsprüfer Fasselt & Partner. Die mittelständische Prüfungsfirma habe gegen die Regel verstoßen, einen Konzern innerhalb von zehn Jahren nur sechsmal zu prüfen. Überraschend konnte Hereth die Düsseldorfer Richter davon überzeugen, bei der Berechnung den Konzern- und den AG-Abschluss gesondert zu zählen. Rechtsgültig ist das Urteil aber noch nicht, denn Metro hat Berufung eingelegt. „Sollte sich die Meinung der Richter tatsächlich bestätigen, werden 22 der 30 Dax-Konzerne Probleme bekommen“, sagte Körber.

Ungeachtet der Querelen bekundeten einige Großaktionäre, auch langfristig an ihrem Engagement festhalten zu wollen. So kommentierte Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes sein Debüt als Metro-Aufsichtsratschef mit dem Versprechen: „Meine Bestellung zeigt die feste Absicht des Großaktionärs, sich weiter bei der Metro zu engagieren.“ Auch Otto Beisheim mischte sich gestern unter die Hauptversammlungsteilnehmer. Der heute 82-Jährige hatte Metro Cash & Carry 1964 gegründet.

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