Millionenverlust in 2005
Air Berlin geht belastet an die Börse

Trotz eines dreistelligen Millionenverlustes im Vorjahr will sich Europas drittgrößte Billigfluglinie Air Berlin voraussichtlich Mitte Mai an die Börse wagen. Damit würde erstmals seit mehr als einem Jahr ein größeres Unternehmen, das rote Zahlen schreibt, den Weg an den Kapitalmarkt suchen. Das birgt erhebliche Risiken.

FRANKFURT. Zuletzt ging Premiere 2005 mit einem Nettoverlust an die Börse. Allerdings schrieb der Bezahlsender damals zumindest operativ schwarze Zahlen. Bei Air Berlin trifft aber nicht mal das zu. Vor Zinsen und Steuern lag der Verlust bei 5 Mill. Euro. Netto hat die Fluggesellschaft 116 Mill. Euro verloren, wie Vorstandschef Joachim Hunold vor Journalisten in Frankfurt einräumte. „Die Zahlen sind schwächer als erwartet und gewiss kein Katalysator für den Börsengang“, bemängelte ein Berater aus der Luftfahrtindustrie.

Nach dem Platzen der Börsenblase 2001 legten Investoren bislang starken Wert darauf, dass größere Börsenkandidaten solide Gewinne erwirtschaften. Für Union Investment seien die Air-Berlin-Aktien deshalb „nur mit einem entsprechenden Abschlag“ interessant, sagte Fondsmanagerin Pia Hellbach dem Handelsblatt. Weil das Unternehmen vor 2008 noch nicht ausreichend profitabel sei, müsse die Bewertung deutlich unterhalb der Konkurrenz von Easyjet & Co. liegen. Der Börsengang komme deshalb wohl etwas zu früh, meint die Fondsmanagerin.

In ihrer Emissionsstudie weisen auch die Analysten der Commerzbank darauf hin, dass die Profitabilität im Vergleich zu Ryanair und Easyjet noch zu wünschen übrig lasse. Die Commerzbank begleitet den Börsengang gemeinsam mit Morgan Stanley. Die Analysten beider Banken sagen Air Berlin aber schon für 2006 einen Gewinn von 50 Mill. Euro voraus. Bis 2007 soll er sogar auf etwa 85 Mill. Euro steigen; der Umsatz soll sich von 1,2 auf 1,7 Mrd. Euro erhöhen.

Die Fluggesellschaft will an der Börse 500 bis 800 Mill. Euro einsammeln, mehr als die Hälfte davon soll über eine Kapitalerhöhung dem Unternehmen selbst zugute kommen. Die übrigen Aktien stammen aus dem Besitz der Altaktionäre. Vorstandschef Joachim Hunold will an seinem Anteil von fünf Prozent festhalten, wie er betonte. Aus den Studien der Analysten lässt sich ein Wert des Eigenkapitals von etwas über einer Mrd. Euro ableiten.

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