Minikliniken
Rasch zum McDoktor

„You’re sick. We’re quick“: In den USA boomen Minikliniken, die im Supermarkt Halsschmerzen, Fieber und Hautkrankheiten behandeln. Während Ärztevertreter die neue Konkurrenz mit hinhaltendem Widerstand blockieren, finden die kleinen Krankenhäuer unerwartet Nachahmer.

SANTA MONICA. Samstagmittag im kalifornischen Marina Del Ray. Sanfte Kauf-mich-Musik dudelt durch den CVS-Drogeriesupermarkt am Mindanao Way so wie in Tausenden anderen auch. Doch etwas ist anders. Versteckt hinter Bier und Kartoffelchips stehen acht graue Plastikstühle auf blauem Teppichboden. Dahinter zwei spartanische Behandlungszimmer, ausgestattet mit Tisch, PC, zwei Stühlen und medizinischen Utensilien.

„You’re sick. We’re quick“ steht über der Tür der Acht-Quadratmeter-Klinik. Wartezeiten gibt es bei diesem Medizin-Mc Donald’s praktisch nicht, auch keine Termine oder Empfangsdamen. Heute ist Blutdruckmessen kostenlos, die Grippeimpfung kostet 110 Dollar, Allergietests sind im Sonderangebot. Alles ist im Schnitt 30 bis 50 Prozent billiger als in einer regulären Praxis. Behandelt werden nur Alltagswehwehchen von Halsschmerzen über Fieber bis Hautkrankheiten. Nach zehn Minuten ist der Patient meist wieder draußen, zwanzig Meter weiter am Arzneimittelschalter löst er sein Rezept ein. Das war’s.

Die Instant-Behandlung zwischen Pizzabude und Baumarkt hat Hochkonjunktur im Jahre eins der Wirtschaftskrise. Minuteclinic, eine Tochtergesellschaft von CVS, hatte 2006 noch 70 Gesundheitsshops, im März 2008 wurde der fünfhundertste eröffnet, Ende des Jahres sollen es über 700 sein.

Der Bedarf explodiert. Das US-Gesundheitssystem steht angesichts der Unfähigkeit der Politik, das Problem anzugehen, vor dem Kollaps. Über 47 Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung, und wer eine hat, muss trotzdem bei jedem Arztbesuch draufzahlen. Falls er einen Termin bekommt.

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