Möbelhaus
Ikea lässt sich Aufwärtstrend nicht verbauen

Die Menschen sparen wo sie können. Der Möbelmarkt schrumpft. Doch Ikea Deutschland ist trotzdem weiter gewachsen. Es gibt aber Unsicherheitsfaktoren, ob es bei der positiven Tendenz bleibt.
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DÜSSELDORF. 30 Jahre hat Billy auf dem Buckel – und offenbar zuviel Staub angesetzt, um auch im Internetzeitalter zu reüssieren. Im Vergleich zum Vorjahr brach der Umsatz im Bereich E-Commerce in Deutschland, dem für Ikea mit insgesamt 16 Prozent Umsatzanteil wichtigsten Markt, um 20 Prozent ein. Das gab Ikea-Deutschlandchefin Petra Hesser am Donnerstag in Frankfurt bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2009 bekannt. Das schlechte Ergebnis führt sie darauf zurück, dass der Konzern Frachtkostensubventionen drastisch zurückgefahren hat. „Es ist uns nicht völlig egal“, sagte Hesser. Aber der Fokus der Arbeit liege nicht auf den Online-Aktivitäten sondern auf dem Erleben des Kunden im Einrichtungshaus.

Dabei bietet gerade der Online-Handel Chancen. Erfolgreiche Anbieter wie die Hamburger Otto-Gruppe verkaufen Möbel schon lange via Web. Ikea dagegen tut sich mit Ausflügen in die Internetdomäne ungewohnt schwer. Konzernkenner berichten von zwei widerstrebenden Lagern beim blaugelben Möbelgiganten: Reformer zum einen und Traditionalisten um Gründungsvater Ingvar Kamprad zum anderen. Der Pate und seine Getreuen setzen weiterhin auf die Vervielfältigung des Warenhausprinzips mit dem bewährten Dreiklang Möbelausstellung, Kleinteilemarkt und Restaurant. Und das am besten bis in den letzten Winkel der Erde.

Doch genau hier tun sich Probleme auf. Die Expansion stößt an ihre Grenzen. Im europäischen Stammgebiet kann Ikea höchstens noch verdichten. Das zusätzliche Geschäft hält sich im Rahmen, die neuen Häuser nehmen eher den alten Filialen Umsatz weg. Zwar konnte das Möbelhaus diesen in Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr um 2,3 Prozent auf 3,34 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr steigern. Aber nur aufgrund von Preiserhöhungen. Die durchschnittliche Kundenzahl sank gleichzeitig um 1,7 Prozent auf 45,4 Mio. Zum Gewinn wollte sich Hesser nicht äußern. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden und werden unsere Investitionen in neue und bestehende Standorte ungeachtet der Wirtschaftskrise beibehalten“, sagte sie.

Nichtsdestotrotz bleibe die konjunkturelle Situation schwierig und habe sich sogar verschärft. „Der Unsicherheitsfaktor ist die Arbeitslosigkeit“, sagte Hesser. „Die kann sich im nächsten Jahr schon mit ein oder zwei Prozent bemerkbar machen.“ Die Schließung von Einrichtungshäusern stehe derzeit aber nicht auf der Tagesordnung.

Es bröckelt im Möbelhandel. Im ersten Halbjahr 2009 sanken die Umsätze in Deutschland um rund ein Prozent, im Bereich Einrichtungshandel sogar um 1,5 Prozent. Einzig der Handel mit Unterhaltungselektronik legte um zwei Prozent zu, weshalb Ikea künftig verstärkt auf Möbel im Bereich Media setzen will. Hesser bestreitet den negativen Trend. „Ich denke nicht, dass wir eine Sättigungsgrenze erreicht haben“, sagte sie am Donnerstag. Nur das Netzt werde engmaschiger.

Eine Antwort wäre das Abstecken neuer Vertriebswege. So könnten die Schweden das Geschäft mit kleineren Innenstadtfilialen forcieren. Gerade ältere Kunden, die den Weg in die Randlagen scheuen, ließen sich damit locken. Für das nächste Jahr aber plant Ikea lediglich im Hamburger Innenstadtbezirk Altona, ein solches Haus zu eröffnen. „Der Gedanke in eine Innenstadt zu gehen ist ein neuer, der auch erst einmal ein einmaliger bleiben soll“, sagte Hesser. So innovativ Ikea bei Sortiment und Design auch ist: Wenn es um das gute alte Möbelhaus geht, gilt jedes Experiment als Sakrileg.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin

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