Montblanc
Lebenszeitbegleiter für den reisenden Geschäftsmann

Montblanc ist bekannt für seine hochwertigen Füllfederhalter. Nun will der Chef des Hamburger Luxuskonzerns, Jérôme Lambert, das Geschäft mit Uhren und Lederaccessoires vorantreiben. Warum er das tut.

HamburgIn dem großen Raum ist es ruhig, sehr ruhig. Die grauhaarige Dame, ganz in Schwarz gekleidet, braucht diese Ruhe in der Federmanufaktur. Sie biegt die beiden Flügel der Goldfeder immer wieder leicht auseinander und betrachtet sie durch eine Lupe. Sie ist erst zufrieden, als die Flügel den richtigen Abstand haben. Durch den feinen Spalt fließt die schwarze Tinte durch den Füller.

In dem schmucklosen Backsteingebäude von Montblanc in Hamburg-Bahrenfeld in der Nähe des Volkspark-Stadions werden die Füllfederhalter immer noch größtenteils von Hand gefertigt – und das im Zeitalter der Digitalisierung. Bis zu 35 Arbeitsschritte in vier bis viereinhalb Wochen braucht eine Feder, ehe sie fertig ist. Beim Füller sind es insgesamt 100 Schritte.

Gerne zeigt Konzernchef Jérôme Lambert seinen Besuchern die Federmanufaktur. Er betont dabei, dass das Kerngeschäft mit Schreibgeräten von Montblanc, das dieses Jahr 110 Jahre alt wird, auch noch wächst. Aber für das größte Plus sorgen zwei andere Sparten. „Am stärksten wächst das Ledergeschäft“, sagt Lambert. Auch die Uhrensparte legt kräftiger zu als das Füllergeschäft.

Mit Uhren kennt sich Lambert aus. Schließlich arbeitete er knapp eineinhalb Jahrzehnte bei den Uhrenfirmen des Richemont-Konzerns, zu dem auch Montblanc gehört. „Unser Uhrengeschäft hat sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt“, sagt Lambert.

Dabei stieg Montblanc erst vor 20 Jahren in das Geschäft mit Luxus-Zeitmessern ein. Heute gehört der Konzern „zu den 20 größten Uhrenherstellern weltweit.“ Den Umsatz der Uhrensparte nennt Lambert nicht. Er bestätigt aber, dass Montblanc inzwischen etwa 90.000 Uhren pro Jahr verkauft. „Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr.“

Nicht überall in der Uhrenbranche läuft es derzeit so gut. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Luxusuhren weltweit in vergleichbarer Währung um sechs Prozent auf 38 Milliarden Euro gesunken, schätzen die Unternehmensberatung Bain & Co. und der italienische Luxusverband Altagamma in einer Studie. Das liegt auch daran, dass die Chinesen wegen schärferer Antikorruptionsgesetze weniger edle Chronometer kaufen.

Richemont, der Mutter-Konzern von Montblanc und anderen Uhrenmarken wie Jaeger LeCoultre, hatte Anfang des Jahres angekündigt, dass er 350 Stellen in den Schweizer Werken seiner Marken streichen will. Montblanc ist jedoch nicht vom Stellenabbau betroffen. „Wir haben in unseren Schweizer Uhrenmanufakturen sogar noch zusätzliche Mitarbeiter eingestellt“, stellt Lambert klar.

Im Uhrengeschäft muss sich Montblanc anders als bei Luxus-Schreibgeräten, wo das Unternehmen 70 Prozent Marktanteil hält und deutlich vor Konkurrenten wie Faber-Castell liegt, in der Preisklasse von 2.000 bis 20.000 Euro gegen viele Konkurrenten durchsetzen.

Mit der Uhrensparte will Lambert die Abhängigkeit vom Geschäft mit Schreibgeräten verringern. Derzeit macht dieses Kerngeschäft noch 40 Prozent des Umsatzes aus. Uhren und Lederwaren kommen jeweils auf 25 Prozent. Insgesamt stieg der Umsatz für das Geschäftsjahr 2014/15 um rund sechs Prozent auf rund 775 Millionen Euro – nach einem Minus im Jahr zuvor.

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