Münchner Hilfe beim Start von Terminal 5
Heathrow-Flop: Münchener Berater rätseln

Auf der Suche nach den Schuldigen für die peinliche Pannen-Serie am neuen Vorzeige-Terminal des Flughafens London Heathrow führt eine Spur nach München: Experten des dortigen Flughafens haben dem britischen Flughafenbetreiber BAA bei den Startvorbereitungen am „T5“ als Berater zur Seite gestanden. Das bestätigte ein Sprecher der Flughafen München GmbH dem Handelsblatt. Die Verantwortung für das Debakel sehen sie aber nicht bei sich.

LONDON. Konkret hätten die bayerischen Berater geholfen, Probebetriebe zu organisieren und die Inbetriebnahme vorzubereiten. Die Verantwortung für die Prozesse habe aber bei BAA gelegen. Von München aus sei nicht zu erklären, warum es an den ersten Tagen folgenschwere Pannen mit mehr als 100 abgesagten Flügen und massiven Verspätungen gegeben habe.

Hauptursache dafür war ein Zusammenbruch des Gepäcksystems. Flughafenangestellte kritisierten gegenüber der BBC, dass die Schulungen mangelhaft gewesen seien. Außerdem stand am Starttag offenbar nicht genügend Personal zur Verfügung, um auftretende Fehler auszubügeln und verzweifelte Reisende zu beraten. Bei den Probeläufen des Gepäcksystems im Terminal 5 habe es nur kleinere Pannen gegeben, die man abgestellt habe, sagte der Sprecher des Flughafens München weiter.

Die Beratungs-Abteilung des Flughafens München hat schon wiederholt bei der Inbetriebnahme internationaler Großflughäfen geholfen. Diesen Geschäftszweig haben die Münchener aufgebaut, nachdem sie 1992 den Umzug auf den neuen Flughafen München weitgehend pannenfrei über Nacht vollzogen hatten. Als Berater waren sie unter anderem in Athen, Brüssel, Madrid, Hongkong und zuletzt in Bangkok tätig. Dabei hatten sie zum Beispiel in Bangkok, anders als jetzt beim Terminal 5 in Heathrow, die Federführung beim Umzug.

Pannen bei der Inbetriebnahme neuer Flughafengebäude sind keine Seltenheit. Als spektakulärer Fehlschlag gilt in der Branche der Neubau des Flughafens Denver. Dort waren die Startprobleme 1993/94 so gravierend, dass sich die Eröffnung um mehr als ein Jahr verschob. Journalisten, die im April 1994 zu einer Demonstration des automatischen Gepäcksystems eingeladen waren, erlebten, wie Probekoffer vom Laufband gerissen wurden und sich Kleidungsstücke überall im Raum verteilten. Erst im September 2005 ging das System in Betrieb.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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