Nach Bergschaden
Essen und Bochum bis 2014 ohne ICE

Das Bahn-Chaos rund um Essen lässt Pendler leiden und trifft auch den Fernverkehr. Illegaler Kohle-Abbau wurde entdeckt, es gilt eine Art Notfahrplan. Jetzt ist klar: Bis zum Ende des Jahres wird sich nichts ändern.
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Essen/DüsseldorfDickebank 1, Dickebank 2, Wasserfall und Sonnenschein – vor 150 Jahren waren dies klingende Namen. In den Flözen des Essener Bergwerks Victoria Mathias wurde Steinkohle abgebaut. Die Lagerstätten des „schwarzen Goldes“ sicherten Hunderten Bergmännern und ihren Familien Lohn und Brot.

Heute lösen die Namen der vier Flöze Wut und Verzweiflung aus – jedenfalls bei Berufspendlern im Ruhrgebiet. Denn Dickebank 1, Dickebank 2, Wasserfall und Sonnenschein liegen heute kurz vor dem Essener Hauptbahnhof, direkt unter den Gleisen. Und weil Mitte des 19. Jahrhunderts oberhalb des Stollens, der alle vier verbindet, Bergleute offenbar auf eigene Rechnung Kohle aus dem Boden holten, wird nun der gesamte Bereich geologisch untersucht.

Oberhalb des Stollens wurden Hohlräume gefunden, die auf den illegalen Abbau zurückzuführen sind. Die Bahnstrecke gilt zwar nicht als einsturzgefährdet, sondern lediglich als instabil. Gefährlich ist die Lage aber allemal.

Bei Abrissarbeiten am nahe gelegenen AEG-Gebäude aus den 1950er Jahren war die Instabilität aufgefallen. Seitdem am vergangenen Mittwoch die ersten Grubenbilder ausgewertet wurden, ist im Bahnverkehr des Ruhrgebiets ein mittelschweres Chaos ausgebrochen. Zunächst wurde allen Zügen auf der Einfahrt zum Bahnhof Schrittgeschwindigkeit verordnet. Allein bis Montagmorgen hätten so rund um Essen 3000 Züge Verspätungen eingefahren, schätzt die Bahn.

Seit nach Bohrungen Ende der Woche klar ist, dass noch mehr zu erwarten ist, ist eine Art Notfahrplan in Kraft. Einige S-Bahn-Linien fallen auch ganz oder teilweise aus, Fernzüge fahren Essen, Bochum und Mülheim an der Ruhr gar nicht mehr an und werden zwischen Duisburg und Dortmund über Gelsenkirchen umgeleitet.

Im Berufsverkehr am Montag trat das Problem geballt auf. Pendler mussten mit Ausfällen oder Verspätungen von 20 bis 30 Minuten leben. Für die im Fernverkehr betroffenen Züge prognostizierte die Bahn durch die Umleitung zehn bis 15 Minuten Verspätung. Der Bahnhof in Essen ist mit jährlich 63 Millionen Reisenden einer der meistfrequentierten in Deutschland.

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