Nach Chef-Rückzug
Karstadt könnte filetiert werden

Der Chef der Kaufhauskette Karstadt wird seinen Vertrag nicht verlängern, ein Nachfolger wird bereits per Headhunter gesucht. Aufgabe des nächsten Chefs könnte es sein, das Handelsunternehmen aufzuspalten.
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DüsseldorfDie kriselnde Warenhauskette Karstadt muss sich einen neuen Chef suchen. Der seit Anfang 2011 amtierende Karstadt-Chef Andrew Jennings werde seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern, bestätigte der Konzern am Sonntag. Jennings werde aber bei der Nachfolgesuche mitwirken und bei Karstadt involviert bleiben. Ein Bericht der „Bild am Sonntag“, wonach Jennings sich wegen Differenzen über die Strategie zur Sanierung der Warenhauskette zurückzieht, sei „nicht korrekt“, erklärte der Kaufhof-Konkurrent. Jennings ist seit 1. Januar 2011 Vorstandsvorsitzender von Karstadt. Eigentümer Nicolas Berggruen hatte den internationalen Handelsexperten und Sanierer nach Essen geholt.

Nach Informationen von Handelsblatt Online kam es in dem von Berggruen dominierten Aufsichtsrat zum Eklat, weil Jennings Berggruen an dessen Zusage erinnert habe, Geld für die Kaufhaus-Kette bereitzustellen. Als die Berggruen-Vertreter davon nichts wissen wollten, habe Jennings das Handtuch geworfen. Möglicherweise steht nun eine Zerschlagung der Karstadt-Kette bevor: Die gutlaufenden Häuser wie das Kaufhaus des Westens in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg dürften Käufer finden, die Zukunft der anderen Häuser wäre ungewiss. Derzeit sucht die Personalberatung Egon Zehnder nach einem Nachfolger für Jennings.

Zuletzt war der Streit zwischen dem Karstadt-Management und den rund 20.000 Arbeitnehmern eskaliert. Mitte Mai hatte der Warenhauskonzern seinen Ausstieg aus der Tarifbindung erklärt, um sich künftige Lohnerhöhungen zu sparen. Karstadt-Eigentümer Berggruen, der die Warenhauskette 2010 aus der Insolvenz übernommen hatte, hatte sich am Dienstag in der Konzernzentrale persönlich vom Management über die Lage informieren lassen. Einem Berricht des Magazins „Focus“ zufolge sank der Umsatz von Karstadt im Mai um fünf Prozent. In den Vormonaten habe das Minus mit im Schnitt zehn Prozent aber sogar doppelt so hoch gelegen, berichtete das Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Vor einigen Tagen hatte Berggruen in einem Zeitungsinterview die Gewerkschaft Verdi scharf kritisiert. „Die Verdi-Funktionäre kämpfen gerade bei Karstadt nur um ihre eigene Macht als Gewerkschaft auf Kosten der Belegschaft. Das ist nicht in Ordnung“, hatte er der „Bild“-Zeitung gesagt. Bei der schwierigen Karstadt-Sanierung sei erst die Hälfte des Weges bewältigt worden. Verdi macht mit Streiks Druck auf den Essener Konzern, seine rund 20.000 Mitarbeiter weiter an den kommenden Tariferhöhungen im Einzelhandel teilhaben zu lassen.

Die Übernahme von Karstadt im Jahr 2010 sei natürlich erst der Beginn der Rettung, nicht ihre Vollendung gewesen, so Berggruen weiter. Er räumte allerdings ein, die Probleme unterschätzt zu haben: „Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender.“ Das Unternehmen hinke bei vielen Dingen hinterher, etwa bei den Einkaufssystemen. „Ich glaube fest an Karstadt. Das Unternehmen wird die Wende hinbekommen!“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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Kommentare zu " Nach Chef-Rückzug: Karstadt könnte filetiert werden"

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  • In jedem Fall fehlt durchweg eine NATÜRLICHE Freundlichkeit des Personals. Hier müßten regelmäßige Schulungen im Hinblick auf bessere Service-Mentalität stattfinden.In den USA liegen die Löhne in den "malls" keinesfalls höher und dennoch wird man ungleich freundlicher und hilfsbereiter bedient!

  • Könnte filetiert werden?

    Könnte es gar sein, dass Karstadt bereits längst filetiert in den Auslagen liegt?

    Und dass hier medial in wohlproportionierten Häppchen ein kreativer Investor sich selbst vorzuführen gedenkt?

    Dass er das bereits längst vorgeführt haben könnte, das sollte allerdings auch nicht in Vergessenheit geraten müssen.

  • dem kann ich nur zustimmen

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