Nach Rekordjahr
Boss nimmt die nächsten Bestmarken ins Visier

Es könnte kaum besser laufen für Deutschlands größtes Modehaus. Nach einem Umsatz im Vorjahr von 2,06 Milliarden Euro rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatzplus von bis zu zehn Prozent für 2012.
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MetzingenDeutschlands größter Modehersteller Hugo Boss will sich bei seiner Rekordjagd nicht vom Wirtschaftsabschwung aus dem Tritt bringen lassen. „Luxus kommt an“, sagte Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs am Mittwoch im schwäbischen Metzingen bei der Bilanzvorlage für 2011. Die jüngsten Bestmarken bei Umsatz und Ergebnis will der Damen- und Herrenmode-Hersteller 2012 erneut überbieten und dafür viel Geld in den weltweiten Ausbau des inzwischen 622 Läden zählenden Filialnetzes stecken: 50 neue Läden sind geplant, die gewöhnlich mehr Rendite als der Vertrieb über Großhändler und Kaufhäuser abwerfen. 

Das Management um den Mitte 2008 vom französischen Konkurrenten Modehauses Dior zu Hugo Boss gewechselten Vorstandschef Lahrs baut vor allem auf die Region Amerika, die 2012 Asien als Motor der Nachfrage ablösen könnte. In der von China bis Australien reichenden asiatischen Vertriebsregion kalkuliert der Vorstand nach dem jahrelangen Boom einen „Wachstumsdämpfer“ ein. „In den USA ist die Stimmung extrem positiv“, begründete Lahrs seine Zuversicht und registriert in China oder Brasilien immer mehr modebewusste Kunden. 

Mit diesem Rückenwind sei 2012 ein Umsatzplus ohne Währungseffekte um bis zu zehn Prozent möglich, stellte der Vorstandschef in Aussicht. Auch der „klare Trend zurück zum Anzug“ soll Hugo Boss in die Karten spielen: Knapp 90 Prozent des im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro gestiegenen Umsatzes stammt aus dem Verkauf von Männermode. 

Das Potenzial bei Damenmode sieht der Vorstandschef ebenfalls noch nicht ausgereizt: Bis 2015 sollen sich die Erlöse mit Damenmode auf mehr als 400 Millionen Euro nahezu verdoppeln. 

„Wir sind unseren Zielen für 2015 ein gutes Stück nähergekommen“, zog Lahrs Bilanz. Binnen der nächsten drei Jahre soll der Umsatz auf drei Milliarden Euro steigen, wobei Zukäufe keine Rolle spielen sollen. Der dann angestrebten operativen Marge von 25 Prozent ist der vom Finanzinvestor Permira kontrollierte Konzern schon nahe: 2011 belief sich das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis auf 22,7 Prozent vom Umsatz. Von dem um gut die Hälfte auf 291 Millionen Euro gestiegenen Konzerngewinn wird das Gros als Dividende an die Aktionäre gehen: Je Vorzugsaktie sollen 2,89 (Vorjahr: 2,03) Euro gezahlt werden, Großaktionär Permira soll für seine Stammaktien einen Cent weniger erhalten. 

Die bei Investoren immer unbeliebter werdenden Vorzugsaktien sollen ab Sommer jedoch Geschichte sein und in stimmberechtigte Namensaktien gewandelt werden. Finanzchef Mark Langer verspricht sich davon eine höhere Gewichtung im Nebenwerte-Index MDax. Dieser Schritt dürfte auch Hauptaktionär Permira freuen, der vor seinem in den kommenden Jahren erwarteten Ausstieg am meisten von weiteren Kurssteigerungen profitieren würde. 

Die Mehrheitsübernahme hat sich für Permira ausgezahlt, da sich Luxusgüter und hochwertige Kleidung selbst in Krisenzeiten gut verkaufen. Wie Hugo Boss schätzen auch die Luxusmarken Hermes und LVMH sowie das Modehaus Burberry ihre Geschäftsaussichten weiter positiv ein. Denn zahlungskräftige asiatische Touristen sorgten weltweit für gute Geschäfte. Die boomende Nachfrage in China sei aber kein Selbstläufer mehr, warnte Hugo Boss-Chef Lahrs: „Der Markt in China wird wettbewerbsintensiver, der Kampf um Marktanteile und Verkaufsflächen wird härter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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